Medien : Der Kniefaller

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Peter Merseburger hat ein wundervolles Buch über Willy Brandt geschrieben, die beste BrandtBiografie bisher. Die 900 Buchseiten hat er nun auf 90 Minuten Länge verfilmt. Das ist schön und schade zugleich. Schön, weil man auch dem Film eine Menge über die „Jahrhundertgestalt“ Willy Brandt entnehmen kann. Es ist ja alles dabei: Jugend in Lübeck, Exil in Norwegen, Ausflug in den spanischen Bürgerkrieg, Rückkehr in das Kaltekriegsberlin, Mauerbaubürgermeister, Kanzlerschaft, Depressionen, Brandt als Ostpolitiker, Brandt als Kniefaller und Nobelpreisträger, Brandt als Mann, dem die Frauen vertrauen, Brandt als elder statesman. Alles drin! So ist ein buntes Brandt-Bilderbuch entstanden, bewegt, aber nicht bewegend. Das ist schade. Es fehlt die Zeit, Brandts Aura auf den Bildschirm zu holen. Am Ende sagt Helmut Kohl in die Kamera: „Er war deutscher Bundeskanzler, mit allem, was dazu gehört." Wer es präziser haben will, muss dann doch zum Buch greifen. mfk

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