Medien : Der Krimiautor mit "der frechen Gosch"

Iris Schmid

Als Martin Walser 1957 "Ehen in Philippsburg" veröffentlichte, wurde gemunkelt, es handle sich um einen Schlüsselroman über den Süddeutschen Rundfunk. Verdiente sich der Autor doch dort sein Geld als Reporter und Regisseur. Und ging es im Roman nicht um Intrigen bei einer Intendantenwahl? Nachzuweisen war da nichts. Walser - ein literarisches Schwergewicht, mit dem der Krimiautor Gunter Haug freilich nicht zu vergleichen ist. Haug, bis vor wenigen Tagen leitender SWR-Angestellter, ist inzwischen fristlos entlassen. Er hat in seinem Krimi "Höllenfahrt" deutlichere Spuren gelegt.

Loyalität verletzt

"Der gute alte Spätzlesender", heißt es da: "Kein Wunder, dass es mit ihm immer mehr und immer schneller bergab ging. Ein Wust von Filz, Unfähigkeit, Cliquenwirtschaft und Intrigenschmiede, doch fast alle Insassen der einst bedeutenden Sendeanstalt waren überdies ausgestattet mit einem Mordsdünkel: Fernsehbeamte halt, die meist durch Beziehungen hier untergebracht worden waren. Halt so, wie man früher die überzähligen Sprösslinge der besseren Herrschaften ins Kloster entsorgt hatte. Keinen von denen konnte man mehr an die frische Luft befördern, wenn sie sich im Sender erst mal ein, zwei Jahre lang ihren Fettarsch breitgesessen hatten." Der so vor sich hin räsonniert, ist der Held in Haugs bisher fünf "Schwabenkrimis": der Heilbronner Kriminalkommissar Horst Meyer. Und weil die liebevoll "der Kommissar mit der frechen Gosch" genannte Kunstfigur das äußert, könne man Haug nicht haftbar machen. Das glauben der Autor und sein Verleger Armin Gmeiner.

Haug versichert, er habe keine realen Personen gezeichnet. Inzwischen hat er sich ans Arbeitsgericht gewandt. Haug ist davon überzeugt, dass man in der Chefetage nur nach einem Anlass gesucht habe, ihn loszuwerden - weil er einer der wenigen im Sender sei, die noch ihre kritische Meinung frei heraus sagten. Dass "etwas im Busch" war, habe er erfahren, als ein Bote ihm bei Dreharbeiten ein Schreiben von Intendant Voß überbracht habe, in dem er zu einer Stellungnahme zu seinen Krimi-Äußerungen aufgefordert wurde, sagt Haug. Der Südwestrundfunk hat seine Kündigung damit begründet, Haug habe durch die "herabsetzende und diffamierende Darstellung von Mitarbeitern sowie angeblicher Missstände in dem Sender seine Loyalitätspflichten in erheblichem Maße verletzt. Der SWR könne es nicht zulassen, dass das Ansehen des Senders und seiner Beschäftigten "unter dem Deckmantel der literarischen Freiheit von einem eigenen Mitarbeiter derart in den Schmutz gezogen wird".

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