Medien : Der L.A.-Dreh

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Von Nino Ketschagmadse

Nach dem Motto „L. A. sehen und drehen“ reisten neun Studenten der Potsdamer Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) in die Traumfabrik Hollywood. Vorneweg: Rosa von Praunheim („Unsere Leichen leben noch“, „Schwuler Mut“). Der Professor für Regie ist mit dem Ergebnis „hoch zufrieden“. Was tatsächlich herausgekommen ist, zeigt Arte in zwei Ausgaben des Magazins „Kurzschluss“. Teil eins mit vier Filmen läuft heute um 23 Uhr 50, Teil zwei wird drei Beiträge zeigen, zwei Arbeiten waren Flops.

Mit dem Projekt „HFF goes Hollywood“ sollten die Regiestudenten für vier Wochen ihre „gestaute Energie rauslassen". Los Angeles, sagte Rosa von Praunheim, könnte „einen schönen Gegensatz zu Potsdam-Babelsberg“ bilden. Die nötigen Reise- und Produktionskosten von knapp 90 000 Euro zusammenzubekommen, sei für ihn dank seines „Rufs kein Problem gewesen". ORB und Arte steuerten den Löwenanteil bei, sicherten redaktionellen Beistand zu und versprachen, die Produktionen auch auszustrahlen.

Am 11. September, dem Tag der Attentate in den USA, war die Gruppe in Los Angeles. Welch ein Stoff möchte man glauben, doch von den bereits vor Reiseantritt weitgehend feststehenden Drehbüchern - gemeinsamer Nenner: die Widerspiegelung des Lebens in der amerikanischen Filmmetropole - wollte kein Student mehr abrücken. Fast entschuldigend, dass die Beiträge unter anderem von Hundepensionen („Hollywood Dogs“) handeln, merkt Praunheim an, dass nach dem 11. September sehr wohl Aufnahmen von den unmittelbaren Reaktionen einiger US-Bürger eingefangen wurden. Aufnahmen, die auf ihre Verwendung noch warten..

Technisch gibt es an den sieben mit Handkameras aufgenommenen Hollywood-Stories kaum etwas herumzumäkeln. Wenngleich den „großartigen Talenten, die das deutsche Kino sehr bereichern werden" (Praunheim) auch hier etwas mehr Mut zur Innovation gut getan hätte. So wirken etwa die von Bartosz Werner für „Mr. Hollywood Star“ gewählten Schwarz-Weiß-Bilder ästhetisch, aber auch etwas bemüht. Und so recht überzeugend wirken sie bei der Geschichte über die Folgen einer defizitären Aufklärung bei den Unterschieden „zwischen Männlein und Weiblein“ auch nicht. Dennoch glaubt der 23-jährige Werner, dass gerade die Zuschauerinnen den Fall seines auffallend hübschen Filmstars, dem – nach jeweils einer Nacht – die Frauen davon laufen, „mit Sicherheit lieben werden". Eine gewagte These, die aber gut zu der Einschätzung seines Lehrers Rosa von Praunheim passt, der seine Schüler „allesamt“ zu „Genies“ erklärt.

Zu den heute bei Arte laufenden Kurzfilmen gehört auch „Three Percent“. In diesem recht nachdenklichen „Film im Film“ lässt Robert Thalheim einen krebskranken Deutschen in die Anonymität von Los Angeles eintauchen und Menschen mit einer Digitalkamera beobachten. Die hintergründige Geschichte gibt Einblicke in eine Welt, in der falsches Lächeln und Desinteresse am Wohl und Wehe der Mitmenschen anscheinend zum Alltag gehören.

Schlicht „S“ heißt der zwölfminütige Film von Thanassis Karanikolas. Karanikolas wollte die „dunkle Seite der Zärtlichkeit“ einfangen, Menschen zeigen, die dem herrschenden Körperkult speziell in Hollywood nichts abgewinnen können. So führt „S“ allerlei interessante „Nachtgestalten" vor, Menschen, die von Kopf bis Fuß tätowiert sind. Und solche, die trotz starker Behinderung lachend durchs Leben gehen. Angereichert mit einer obskuren Schubert-Interpretation und mit kleinen Einblicken in homosexuelle Sexpraktiken bietet sich dem Betrachter ein Sammelsurium von verstörenden Momentaufnahmen dar. Karanikolas hat es mit „S“ bereits zu drei Einladungen renommierter Festivals gebracht.

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