Medien : Der Ladykracher

Christoph Maria Herbst ist die neue Comedy-Hoffnung von ProSieben – und vieles mehr

Simon Feldmer

Manchmal ist es auch gut, bestimmte Dinge nicht zu tun, dachte sich Christoph Maria Herbst vor einigen Monaten. Dabei hätte er für die wohl interessanteste Gegenprogrammierung des Fernsehjahres sorgen können. Als Sat 1 nach dem Abtreten von Harald Schmidt als Late Night-Gott auf Anke Engelke zusteuerte, war auch die Konkurrenz von RTL nicht untätig. Zu gerne hätte man den Kollegen das Prestigeprojekt „Anke Late Night“ durch entsprechende Maßnahmen versaut. Und wer hätte das besser erledigen können als Christoph Maria Herbst, Engelkes einstiger Partner in der Comedy-Reihe „Ladykracher“? Zur Engelke-Premiere am 17. Mai hätte also parallel die „Christoph Maria Herbst Show“ starten können. Wenn sich Herbst damals nicht dagegen entschieden hätte. Die Sender-Strategen werden es nicht mehr bedauern. Das mit „Anke Late Night“ hat sich von selbst erledigt.

„Friede ihrer Asche“, sagt Christoph Maria Herbst und meint damit die abgesetzte Late-Night-Show, nicht Anke Engelke. Er mag über diese Strippenziehergeschichten hinter den Kulissen der TV-Unterhaltungsfabrik aber am liebsten überhaupt nicht reden. Auch gar nicht verraten, warum er damals Nein gesagt hat. Das kann man sich aber gut selber denken. Christoph Maria Herbst ist heute auch ohne Late Night „sehr zufrieden“, wie er sagt, um das Wort „glücklich“ zu vermeiden, „weil sich das immer so blöd anhört“. Er sitzt im Münchner Univiertel in einem Frühstückscafé. Er ist gerade aufgestanden, es ist Viertel nach eins am Nachmittag.

Herbst hat anstrengende zwei Monate wegen der Dreharbeiten zur neuen Pro 7-Comedy-Serie „Stromberg“ hinter sich, die ab Montag acht Mal in Folge zwischen „Bully & Rick“ und Stefan Raab auf Sendung gehen wird. Das Drehbuch für die Brainpool-Produktion stammt vom früheren Harald-Schmidt-Autor Ralf Husmann. Die Idee ist von der BBC-Serie „The Office“ abgeschaut. Sollten die Quoten stimmen, soll Stromberg, laut Senderansage „der schlimmste Chef aller Zeiten“, zur regelmäßigen Institution bei Pro 7 werden. Ähnlich wie es „Ladykracher“ auf Sat 1 war, bevor Zugpferd Engelke härtere Aufgaben übernommen hatte.

Anke also. An ihrer Seite hat Herbst im Jahr 2002 für „Ladykracher“ den Deutschen Comedypreis für die beste Nebenrolle bekommen. Drei Staffeln haben sie zusammengedreht, bis Herbst eine SMS vom Produzenten bekam, ungefähr mit dem Inhalt: „Im nächsten Jahr kein Ladykracher, Anke hat was anderes vor.“ Was Herbst erst etwas schockte, brachte ihm wenig später zahlreiche neue Angebote ein. Unter anderem die Hauptrolle Stromberg. „Nur wenn das schief geht, kriege ich auf die Mütze, nicht mehr Anke oder sonst wer. Das war schon ganz angenehm als ewiger Supporting Act,“ bekennt Herbst.

Stromberg ist Ressortleiter in einem Versicherungskonzern und malträtiert dort nach allen Regeln der Kunst seine Mitarbeiter. Außerdem ist er schuld daran, dass Herbst gerade mit Millimeterschnitt im Café sitzen muss, denn Stromberg trägt kranzförmige Halbglatze. „Er musste einfach älter aussehen, als ich es bin“, sagt Herbst, gerade 38. Trotz neuer Optik sei er aber von diesem Stromberg noch ganz besoffen. „Das ist keine reine Comedy. Stromberg ist fast naturalistisch, hat dokumentarische Züge. Die Folgen sind zynisch, sarkastisch, tragisch.“ Herbst nimmt einen Schluck aus einem dieser viel zu großen Riesenmilchkaffeebecher und sagt: „Stromberg liegt recht weit neben dem Mainstream. Ich bin gespannt, wer das schauen wird.“ Wer das auch immer sein mag, er muss sich auf Wackelkamera und wenig Schnitte einstellen. Stromberg soll dem deutschen Arbeitsalltag ganz nahe sein.

Vielleicht ist es ja in diesem Sinne endlich für etwas gut gewesen, dass Herbst nach der Schule eine Lehre bei der Deutschen Bank gemacht hat. „Danach wusste ich nur noch genauer, dass ich Schauspieler werde“, erinnert er sich. Was aber in einem Elternhaus, in dem gleich alle drei Kinder wegen der berühmten Jungfrau mit Zweitnamen Maria heißen, gar nicht so einfach durchzusetzen war. Und was wohl auch nicht leichter wurde, als ihn sein erstes Engagement zur „Burghofbühne im Kreis Wesel e.V.“ nach Dinslaken geführt hat. Aber vielleicht, als es nach sieben Jahren an kleineren Theatern zum Fernsehen ging: 1998 zur ARD-Klamaukreihe „Sketchup“.

Heute wohnt Herbst nicht nur zufällig in einem Haus mit Bastian Pastewka in der Kölner Südstadt, er ist förderndes Mitglied des Kölner Ulk-Klüngels, der sich regelmäßig in der Sat 1-Runde „Genial daneben“ trifft. Im Sommer war Herbst im Kino in „Der Wixxer“ und in „(T)raumschiff Surprise“ zu sehen. Und wenn man jetzt das Porträt einfach abbräche, würde ein ziemlich schiefes Bild von diesem Christoph Maria beim Leser ankommen: noch ein Vertreter der deutschen Comedy-Witz-Fabrik halt.

Man hatte ja auch selbst schon einiges befürchtet, als Herbsts Münchner Agentin Andrea Lambsdorff den Interviewtermin mit den Worten bestätigte: „Du wirst viel Spaß haben.“ Doch das erwartete Trommelfeuer an Spontanwitzeinlagen blieb während des Gesprächs aus. Herbst muss seinen Gegenüber nicht überrollen. Er kann einfach erzählen, gut erzählen, recht entspannt immer wieder Milchkaffee trinken und sich selbst dabei nicht zu wichtig nehmen.

Vielleicht liegt es ja bei ihm daran, dass er, im Gegensatz zu manch anderem, der es behauptet, wirklich weiß, wo er herkommt: Aus Wuppertal, von der Bank, von den Provinztheatern. Wenn dieser Herbst sagt: „Ich nehme mich nicht als Comedian wahr, ich habe nur eine hohe Affinität zur Komödie“, dann will er sich nicht für seine Schenkelklopferauftritte im Fernsehen entschuldigen. Er will nur als Ganzes wahrgenommen werden. Und zu diesem Ganzen gehören eben auch die Dreharbeiten mit Doris Dörrie, seine Rolle im neuen Helmut Dietl-Film „Vom Suchen und Finden der Liebe“, seine Theater-Abende mit Charlotte Roche.

Bei dem Schwung, den Herbsts Karriere gerade bekommt, hat er vor allem eine Sorge: „Ich bin zwar gerade drin in der Wurstfabrik, aber ich möchte mich da nicht verwursten lassen.“ Das ist ihm bisher gut gelungen. Man kann nur hoffen, dass er so weiter macht. Und über Gottes Nachfolge am späten Abend reden wir dann ein andermal.

„Stromberg“ , Montag, ProSieben,

21 Uhr 50

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