Medien : Der letzte Schliff

Bilder betrachten, Bilder bearbeiten – mit Windows allein kommt der Hobbyfotograf nicht weit

Kurt Sagatz

Fast jeder zweite Deutsche fotografiert inzwischen digital. 34 Millionen Fotofreunde sind laut Branchenverband Bitkom von der Filmpatrone auf den Speicherchip umgestiegen. Und es wird geknipst, was das Zeug hält: Zwei Milliarden Digitalfotos entstehen monatlich. Und mit jedem zusätzlichen Foto nimmt das Bedürfnis zu, Ordnung in den digitalen Bilderwust zu bekommen und den gelungenen Aufnahmen den letzten Schliff zu geben. Vorausgesetzt, die dafür nötigen Programme machen dem Hobbyfotografen diese Aufgabe nicht unnötig schwer. Wir haben nachgesehen, wie die drei Programme „Adobe Photoshop Elements 5.0“ für rund 100 Euro, „Microsoft Foto 2006“ für rund 75 Euro und „Magix Digital Foto Maker 2007“ für 40 Euro diese Hürde nehmen.

DREI PROGRAMME, DREI WEGE

Der Preis ist nicht alles, aber das teuerste Programm muss nicht unbedingt das am wenigsten geeignete für Anfänger sein, wie die aktuellen Versionen der Bildbearbeitungsprogramme zeigen. „Photoshop“ von Adobe genießt bei Profis einen hervorragenden Ruf, die Amateurversion „Photoshop Elements 5.0“ wird dennoch ihrem Anspruch – dem ambitionierten Hobbyfotografen die schier unüberschaubare Funktionsvielfalt auf einfache Art nahezubringen – immer besser gerecht. Die „Microsoft Foto 2006 Suite“ betreibt hingegen eher Produktpflege. Dieses Programm hat von jeher gesteigerten Wert auf seine Einsteigertauglichkeit gelegt. Laientauglich und zugleich preiswert präsentiert sich Magix mit dem „Digital Foto Maker 2007“, der ebenfalls nicht mit Funktionen geizt.

ERSTES ZIEL: ORDNUNG SCHAFFEN

Die wichtigste Herausforderung für ein Bildbearbeitungsprogramm ist das übersichtliche Darstellen der Fotos. Mit Katalogen, Bibliotheken oder Datenbanken wird erreicht, was Windows XP allein nicht schafft. So beispielsweise die stufenlose Vergrößerung und Verkleinerung der Vorschaubilder. Bei Magix lassen sich Fotos mit Kommentaren versehen, in Alben zusammenfassen, per Kategorien listen oder nach Datum sortieren. In „Photoshop Elements“ werden Kategorien angeboten, sortiert wird nach Datum oder Dateipfad. Beim Microsoft-Programm kann so gut wie nach jedem individuellen Merkmal des Fotos sortiert werden, auch das Zuordnen zu Stichwörtern, Personen, Ereignissen etc. ist möglich. In dieser Kategorie gibt es keinen Sieger oder Verlierer. Entscheidend sind am Ende die Details wie die Gesichtserkennung bei Magix. Damit können Fotos zur besseren Kategorisierung nach bekannten Personen durchsucht werden. Eine vergleichbare Funktion bietet Microsoft mit dem Aufspüren ähnlicher Fotos.

MIT EINEM KLICK ZUM SPITZENBILD?

Mit einem Klick zum perfekten Bild, lautet eines der Versprechen der Bildbearbeitungsprogramme. Beim Microsoft- Programm muss man sich entscheiden, ob nun Farbe, Belichtung, Kontrast oder die Licht- und Schattenwerte automatisch korrigiert werden sollen. Doch Vorsicht: Bei Farbe und Kontrast schießt das Programm mitunter übers Ziel hinaus. Kleine Wunder vollbringt die Korrektur von Licht- und Schattenwerten. Sogar extrem farbstichige Fotos aus den 70er Jahren erhalten wieder ein natürliches Aussehen. Einen interessanten Weg geht Magix mit der Optimierung nach Vorlagen. Das Programm macht es sich zunutze, dass jede Kamera typische Eigenarten hat, also Bilder beispielsweise grundsätzlich etwas unterbelichtet oder eher zu etwas kälteren Farbwerten neigt. Wurden diese leichten Fehler erst einmal aufgespürt, lässt sich daraus eine Vorlage erstellen, um künftig alle Fotos von dieser Kamera mit einem Rutsch einer Voroptimierung zu unterziehen. Adobe hat sich für „Photoshop Elements“ ebenfalls etwas Besonderes ausgedacht: Neben dem Standardeditor zum ausführlichen Bearbeiten der Bilder nach allen Regeln der Photoshop-Kunst gibt es die Schnellkorrektur, quasi die Einsteigervariante zur Bildverbesserung. Statt lange zu suchen, hat man hier alle nötigen Funktionen sofort im Blick, wobei das Adobe-Programm bei der Optimierung wohltuend behutsam zu Werke geht.

GRENZEN DER AUTOMATIK

Die Idee der automatischen Bildverbesserung ist klar: Wer aus dem Urlaub kommt und mehrere hundert Digitalfotos geschossen hat, möchte seine Fotos mit möglichst wenig Aufwand veredeln. Doch gerade bei den besonderen Fotos zeigt sich schnell, dass die Automatik der Feind der Kreativität ist. Mittelwertberechnungen neigen dazu, das feine Spiel in besonders hellen oder dunklen Motiven zu zerstören. Das Egalisieren erledigen die meisten Entwicklungsautomaten von ganz allein. Am PC sollte man sich wie in der Dunkelkammer auf die besonderen Ausnahmefotos konzentrieren. Stapelverarbeitungen, wie sie von allen Programmen angeboten werden, sind darum nur für Standardaufgaben sinnvoll, beispielsweise zur automatischen Veränderung der Auflösung, wenn die Fotos später auf eine Webseite gestellt werden.

SICHERUNGSKOPIEN NICHT VERGESSEN

Die wenigsten Nutzer denken regelmäßig daran, ihre Digitalfotos zu sichern. „Photoshop Elements“ erinnert darum in Abständen immer wieder an die nötigen Backups. Magix nimmt bereits besondere Rücksicht auf die Originalbilder, die für viele Standardaufgaben unverändert bleiben. Beim Anfertigen von Sicherheitskopien auf CD oder DVD hilft ein einfach zu bedienender Assistent. Microsoft muss hier noch nachbessern. Zwar können veränderte Fotos ebenfalls als Kopie gespeichert werden, doch leider ist diese Option nicht als Standard eingerichtet.

FAZIT

Welche Note man einer Bildbearbeitungssoftware gibt, hängt nicht mehr von den Standardfunktionen ab. Die Pflichtaufgaben erledigen alle Programme anstandslos. Es sind vielmehr die feinen Unterschiede, die das Gesamtbild abrunden. Funktionen wie das Abwedeln und Nachbelichten, das Adobe aus der Dunkelkammerzeit in die Computerwelt hinübergerettet hat. Diese beiden Werkzeuge helfen auf ebenso einfache wie nachvollziehbare Weise dabei, feine Nuancen herauszuarbeiten. „Photoshop Elements 5.0“ profitiert dabei wie kein anderes Programm vom Profiwerkzeug „Photoshop“. Auch wenn dadurch die Komplexität wieder etwas zugenommen hat, ist „Photoshop Elements“ die erste Wahl für Digitalfotografen mit weitergehenden Ambitionen. Microsoft ist hingegen der alten Picture-It-Linie treu geblieben, die ganz ohne Expertenwissen auskommt – ohne darunter die Funktionsvielfalt leiden zu lassen. Beispielsweise mit dem Werkzeug „Blitz hinzufügen“, mit dem manch schwach ausgeleuchtetes Bild gerettet wird. Das einfache Handling und die Vielzahl von Extras machen „Microsoft Foto“ zum perfekten Allround-Programm. Das Magix-Programm wendet sich noch stärker an die Gruppe der Einsteiger – auch finanziell. Wer auf Extras wie Fotokalender verzichten kann, findet im „Digital Foto Maker“ ein preiswertes und dennoch gutes Fotoprogramm.

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