Medien : Der letzte Strohhalm

Neue Dokusoap, altes Muster: C-Prominente kämpfen in der Pro-7-Show „Die Alm“ um eine zweite Karriere

Hannah Pilarczyk

„Im Idealfall kriegen wir die ,Bild’-Schlagzeilen und den Grimme-Preis“, sagt Moderator Elton über „Die Alm“, seine neue Show auf Pro 7. Ob diese Aussage prophetisch ist, zeigt sich in den nächsten zwei Wochen, in denen die Show läuft. Bislang zeigt sie einfach nur sehr gut, um was für ein Zwitterwesen es sich bei „Die Alm“ handelt. Sieben Prominente werden auf eine Almhütte in den Südtiroler Bergen gebracht, um sich dort dem einfachen Leben zu stellen – wie Paris Hilton und Nicole Richie in „Simple Life“ (Pro 7). Auf der Hütte müssen die Promis ohne Strom, Heizung und fließendes Wasser, dafür mit Tieren, Bauern und Natur auskommen. Die Fernsehzuschauer können dann zur Primetime begutachten, ob sie dem gewachsen sind – wie bei der Familie Boro aus dem ARD-„Schwarzwaldhaus“. Wen das TV-Publikum nicht mag, bestraft es per Telefon-Abstimmung mit einer Spezialaufgabe wie Stallausmisten – wie im Dschungelcamp von RTL. Alle drei Vorbilder für „Die Alm“ waren auf ihre Art sehr erfolgreich und wurden viel diskutiert. Da erscheint es nahe liegend, die drei Formate miteinander zu verbinden. Wenn man keinen besonderen Wert auf Originalität und Kreativität legt.

„Wir wollen einfach nur eine andere Geschmacksrichtung bedienen“, sagt Sonya Kraus, Co-Moderatorin von Elton. Auch sie glaubt an den Erfolg der so genannten „Real Life Doku“. Was soll sie auch sonst sagen? Dabei haben sie und Elton noch am meisten zu verlieren. Für die beiden ist das die Chance zu zeigen, dass sie mehr können – mehr als nur der Scherge von Stefan Raab zu sein und mehr als nur in sehr engen und sehr weit ausgeschnittenen Kleidern gerade Sätze zu sagen. Dabei ist der Grat zwischen Profilierung und Absturz, den die Sendung bietet, sehr schmal. Nach den vor Häme triefenden Auftritten von Dirk Bach und Sonja Zietlow beim RTL-Dschungelcamp zeigte sich, dass manche TV-Sünden auch gesühnt werden müssen. Das ZDF kündigte die Zusammenarbeit mit Bach auf, Zietlow wird das Domina-Image wohl nie mehr loswerden. Für die Kandidaten ist die Show wohl eher der sprichwörtlich letzte Strohhalm. Ex-Boxeuropameister René Weller fiel nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis nur noch mit ein paar skurrilen Talkshow-Auftritten auf, in denen er eine Karriere als Dichter andeutete. Außerdem dabei: Popstars ohne Plattenvertrag (wie Daniel Lopez von „Deutschland sucht den Superstar“), die Ex-Porno-Darstellerin Kelly Trump und Tatjana Gsell, wahlweise bekannt als „Busen-Witwe“ oder „Busen-Wunder“. Man darf gespannt sein, wann Elton den ersten „Holz-und-Hütten“-Witz reißt. „Wir moderieren frisch und frei aus Dirndl und Lederhose heraus“, sagt Kraus. Grimme- Preis. Ganz klar.

Die Alm, 22 Uhr 20, Pro 7

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