Der Marschall und der Gefreite : Der Führer-Macher

Arte zeigt eine Dokumentation über den Militär und Politiker Paul von Hindenburg. Als Reichspräsident ernannte er Adolf Hitler zum Reichskanzler.

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Am Tag von Potsdam, dem 21. März 1933, reicht Reichskanzler Adolf Hitler (links) Reichspräsident Paul von Hindenburg demütig die Hand. Foto: Arte
Am Tag von Potsdam, dem 21. März 1933, reicht Reichskanzler Adolf Hitler (links) Reichspräsident Paul von Hindenburg demütig die...Foto: © Bundesarchiv

Vor der ganz und gar nicht freien Reichstagswahl im November 1933 plakatierten die Nazis „Der Marschall und der Gefreite“: Paul von Hindenburg und Adolf Hitler als Führungsfiguren der allein zur Wahl stehenden Einheitsliste. Von zwei Mächtigen auf Augenhöhe, wie es das Bild suggerierte, konnte natürlich keine Rede mehr sein, doch dass sich der 85-jährige Reichspräsident Hindenburg am 30. Januar 1933 bei der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler aus lauter Greisenhaftigkeit über den Tisch ziehen ließ, davon wollen Historiker heute nichts mehr wissen. Der Präsident sei „für sein Alter in überaus robuster Verfassung“ gewesen, erklärt Wolfram Pyta von der Universität Stuttgart in der Arte-Doku „Hindenburg“.

Über die historische Bedeutung Hindenburgs wird heute noch in zahlreichen Kommunen teils erregt gestritten. Zuletzt in Münster, als im vergangenen September ein Bürgerbegehren mit dem Ziel gescheitert war, die gerade vom Stadtrat beschlossene Umbenennung des größten Platzes der Stadt von „Hindenburgplatz“ in „Schlossplatz“ wieder rückgängig zu machen. Alle die Straßen, Plätze, Schulen und Kasernen, die immer noch Hindenburgs Namen tragen, sind ein spätes Echo der Heldenverehrung, die der 1911 eigentlich schon in den militärischen Ruhestand verabschiedete General erfuhr. Im Ersten Weltkrieg reaktiviert, wurde Hindenburg nach der 1914 gewonnenen Schlacht gegen russische Armeen in Ostpreußen zum „gefeierten Medienstar des deutschen Kaiserreichs“, wie Film-Autor Christoph Weinert formuliert. Eine „Vaterfigur“ (Pyta), die ihren Namen auch Leberwürsten und Brillengestellen lieh.

Die Karriere des Ruheständlers hätte für mehrere Leben gereicht. Weinerts biografische Doku ächzt unter dieser Last: Den Teil über Hindenburgs Jugend, die erste Liebe und seine militärische Karriere bis 1911 hätte man durchaus kürzer fassen können. Interessant wird es erst, wenn es um Hindenburgs Rolle im Weltkrieg und beim Sturz des Kaisers geht. 1925 wurde er erneut aus dem Ruhestand geholt und zum Reichspräsidenten gewählt, gegen wen – Wilhelm Marx – er sich da knapp durchsetzte, wird schon nicht mehr erwähnt. Etwas mehr Zeit und eine eingehendere Analyse hätte man sich vor allem für Hindenburgs Rolle in der Endphase der Weimarer Republik gewünscht. So bleiben die Passagen über das Taktieren bis zur Machtergreifung Hitlers schwer verständlich und formelhaft.

Auch mit dem Bildmaterial geht der Autor nicht immer überzeugend um. Wo Archivbilder fehlen, werden Spielfilmausschnitte ohne Quellenangaben eingesetzt. Fotos werden verfremdet, gerne mit animierten Hunden oder Autos. Manchmal bewegen sich auch einzelne Randfiguren. Eine eher überflüssige Spielerei. Die Experten aus der Historikerzunft und auch Enkel Hubertus von Hindenburg sitzen dagegen vor einem fleckig-grauen Hintergrund, auf dem schemenhaft Filmbilder zu erkennen sind. Schmutzige Geschichte, ästhetisch eins zu eins ins Bild gesetzt, na ja.Thomas Gehringer

„Hindenburg – Der Mann, der Hitler zum Kanzler machte“, Arte, 20 Uhr 15

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