Medien : "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein": Wenn weniger einfach mehr ist

Alexander Zeller

Mit dem Ende der Passionszeit neigt sich im Christentum auch die Fastenzeit dem Ende zu; Anlass genug für die themensensiblen Redakteure von Arte, am heutigen Gründonnerstag den Themenabend unter das Motto "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein" zu stellen.

Eine neunzigminütige, äußerst einfühlsame Dokumentation widmet sich dabei um 21 Uhr 40 Uhr dem Fasten, jenem "Weniger, das ein Mehr ist", wie es in dem vom Sender selbst produzierten Film mit dem Titel "Fasten - Zeit zur Besinnung" heißt. Die beiden Autoren Myriam Tonelotto und Isy Morgensztern haben dafür die drei großen monotheistischen Religionen dahingehend hinterfragt, wie sie mit den ihnen eigenen Geboten und Aufforderungen zum Verzicht umgehen.

Herausgekommen ist ein leiser, unaufdringlicher und auch sehr langsamer Dokumentarfilm, der es verstanden hat, den Geist des freiwilligen Verzichts in den verschiedenen Kulturen einzufangen. Denn in dem reduzierten Tempo der Bilder spiegelt sich, dass nicht der Hunger die größte Herausforderung für die Fastenden darstellt, sondern die Zeit, die es gilt wider die leiblichen Bedürfnisse zur eigenen Einkehr zu verwenden. Dabei wurden auch einige äußerst abseitige Wege beschritten, um sich den fastenden Menschen zu nähern. Der Film beobachtet zum Beispiel alte Frauen in einem windschiefen kalabresischen Dorf, wie sie vor Beginn der Fastenzeit mit endloser Geduld für ein letztes Festmahl einen riesigen Berg Nudeln rollen; in Israel werden die tradierten und hierzulande weitgehend unbekannten Rituale von aus Marokko stammenden sephardischen Juden gezeigt. Für das Fasten im Islam wurde ein Mädchen aus einer Pariser Vorstadt durch den Monat Ramadan begleitet.

Unterbrochen werden die Dokumentationen mit Porträts von historischen Personen, die sich dem Nahrungsverzicht exzessiv hingegen haben. Ein Religionswissenschaftler schildert dazu mit ruhiger Stimme den Lebens- und Leidensweg der "untröstlich Fastenden", während ihn die Kamera auf langen Spaziergängen zeigt.

Eingerahmt wird dieser stille Beitrag des Themenabends um 20 Uhr 45 von der österreichischen Dokumentation "Gott essen", einem religionsgeschichtlichem Exkurs vom Opferkult zum Abendmahl, und um 23 Uhr 05 von einem Film, dessen bis zur Dekadenz reichende Opulenz die Fastenzeit mit einem Donnerschlag zusammensacken lässt: Peter Greenaways "Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber."

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