Medien : Der neue "Fahnder": "Ich brauchte die Knete"

"Siggi"[Landei],Provinzpolizist in "Polizeiruf

Martin Lindow, 35, ist nach Klaus Wennemann, Jörg Schüttauf und Michael Lesch der vierte "Fahnder". Der Grimme-Preisträger klärt als Tom Wells Verbrechen in der fiktiven Ruhrgebietsmetropole Gleixen auf (ARD, 18 Uhr 54).



Von "Siggi", Landei und Provinzpolizist in "Polizeiruf 110", zum Großstadt-"Fahnder", das nennt man wohl einen Karriereschritt?

Wenn man die Dienstgrade berücksichtigt, ja. Siggi ist Polizei-Obermeister, Tom Wells, "Der Fahnder", dagegen Hauptkommissar, der zudem in zivil ermitteln kann. Betrachtet man das Ganze aber vom Blickwinkel der schauspielerischen Arbeit, möchte ich nicht unbedingt von einem Karrieresprung sprechen, denn die Rolle des "Siggi" ist eine sehr schöne, gelungene Figur ...

Dennoch ist "Der Fahnder" Ihre erste Serien-Hauptrolle. Damit dürften auch die Erwartungen, die man an Sie stellt, wachsen.

Das ist richtig. Die Hauptrolle in einer wöchentlichen Serie ist etwas anderes als einmal im Jahr einen "Polizeiruf" zu machen. Der Erfolg der Serie wird nun maßgeblich von mir abhängen, und ich werde mich daran messen lassen müssen.

Wie groß ist das Risiko, eine eingeführte Figur zu übernehmen, mit der andere bereits sehr großen Erfolg hatten?

Schauspielerisch messen lassen werde ich mich nur an Klaus Wennemann. Der hat die Figur des "Fahnders" zu einer Institution gemacht. Wenn ich mir heute die Wiederholungen der Serie ansehe, dann habe ich den größten Respekt vor seiner Leistung. Natürlich wird man Vergleiche ziehen, und diese Vergleiche muss ich dann auch aushalten. Ich bin zuversichtlich, weil ich glaube, dass auch mein Tom Wells eine glaubwürdige Figur ist. Eine Figur, die nicht komplett ist.

Der Fernsehzuschauer kennt sie in erster Linie aus Krimis. Befürchten Sie nicht, auf dieses Genre festgelegt zu werden?

Dass ich in den letzten zwei Jahren ausschließlich in Krimis zu sehen war, ist eigentlich Zufall. "Polizeiruf" zum Beispiel habe ich immer während meiner Theaterferien gespielt. Die Verträge zum "Fahnder", damals noch nicht in der Hauptrolle, und zu "Straßen von Berlin" habe ich innerhalb einer Woche unterschrieben. Wenn ich ehrlich bin, dann in erster Linie wegen des schnöden Mammons, ich brauchte einfach die Knete. Eigentlich wollte ich beim "Fahnder" längst aussteigen, dann aber kam das Angebot, von der Neben- zur Hauptrolle aufzusteigen. Ich glaube, dass die Stoffe der Serie unglaubliches Konfliktpotenzial für einen Schauspieler bieten, etwa wenn es um einen Mann geht, den der "Fahnder" zu Unrecht ins Gefängnis gebracht hat. Wenn das keine Traumrolle ist, dann weiß ich es auch nicht. Alle Farben, die ich in der Lage bin zu spielen, werden hier von mir gefordert.

Sie haben mal gesagt, Tom Wells sei die potenzierte Ausgabe von Ihnen. Was genau ist da potenziert worden?

Ich bin zum Beispiel ein ziemlich ungeduldiger Mensch. Wo ich aber ungeduldig bin, da ist er noch viel, viel ungeduldiger. Ich neige manchmal zum Mut, dann aber auch zum Übermut; Tom ist da noch mutiger, er muss ja manchmal auch ein Held sein. Er ist dann so, wie ich vielleicht manchmal gerne wäre. Ich glaube, dass das die Arbeitsweise bei einer Serien-Hauptrolle sein muss. Man kann nicht wie bei einem Fernsehspiel auf eine Figur zugehen und versuchen sich anzunähern. Nein, man muss zur persönlichsten Form der Darstellung kommen. Und das schafft man bei einer Serie nur, wenn man sich die Figur in die Tasche steckt. Nur dann wird diese Figur auch authentisch.

Sie und Wells: Sind das beides typische Ruhrgebietsmenschen, die auch nur dort richtig funktionieren?

Ich glaube schon. Wenn man die ganz alten "Fahnder"-Folgen sieht, dann sind die Fassaden oft trist. In der Stammkneipe aber geht es immer herzlich zu. Das Äußere ist trostlos, beim Eintritt in Räume aber wird es warm. So verstehe ich auch das Ruhrgebiet. Ich habe in Hamburg gelebt, lange in München und Berlin gedreht. Aber ich bleibe ein Kind des Ruhrgebietes, hier bin ich zu Hause, und hier ist auch Tom Wells zu Hause.

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