Medien : Der Pharao, privat

Mit Hilfe von Computeranimationen und nachgestellten Szenen lässt die ARD das alte Ägypten auferstehen

Simone Schellhammer

Eine historische Dokumentation, darunter vesteht man heute immer häufiger einen monumentalen Hochglanzspielfilm, der auf antiken Quellen beruht und mit aufwendigen Massenszenen und computergenerierter Architektur umgesetzt wird. Bereits letztes Jahr lief an Ostern in der ARD erfolgreich das Doku-Drama „Die Pyramide“. Mit 1,7 Millionen Euro war dieser Film über einen Arbeiter beim Bau der Cheops-Pyramide noch relativ preiswert. Dieses Jahr nun ist es ein große internationale Koproduktion, die in gleich vier Filmen verschiedene Lebenswelten aus der Zeit zwischen 1458 vor und 164 nach Christus zeigt und 10 Millionen Euro gekostet hat.

Zum Auftakt läuft heute (Ostersonntag) „Die Schlacht von Megiddo“, bei der Soldaten des berühmten Feldherrn und Pharaos Thutmosis III. gegen eine syrische Rebellenarmee antreten. Dieser Krieg und die alles entscheidende Schlacht am 19. Mai 1458 vor Christus wird einerseits aus Sicht des noch jungen, unerfahrenen Pharaos, andererseits anhand des Schicksals eines zwangsverpflichteten Bauern mit Namen Achmose erzählt. Angeblich sprechen dabei alle Schauspieler Altägyptisch, soweit diese Sprache rekonstruiert werden konnte. Im Off führt eine mal seriöse, mal geheimnisvoll raunende Sprecherstimme durch die actionreiche Handlung und erklärt dabei unter anderem auch die Waffentechnik der Generäle, die Heilmethoden der Militärärzte und die Lebensgewohnheiten der Soldaten. Viel Blut, dramatische Musik und verzweifelt weinende Frauen sorgen dabei für ein entsprechendes Hollywoodgefühl.

Die nächsten Folgen drehen sich um das organisierte Verbrechen und die Korruption vor rund 3000 Jahren („Die Grabräuber von Theben“), das Leben der Priesterkaste („Der Mord im Tempel“) und den Kampf zweier Schwestern um ihr Erbe („Die Zwillingsschwestern von Memphis“). Die Spielhandlungen haben Autor Ben Goold und Regisseur Tony Mitchell auf Grund von Papyrus-Texten und Grabinschriften erarbeitet. Die Echtheit dieser Quellen wird in jedem Teil der Reihe mehrfach betont, und wie ein Beleg dafür kriechen Schlangen oder Skorpione über alte Dokumente. Bei der Rekonstruktion der Schauplätze sei man „sehr detektivisch“ vorgegangen, um den Zuschauern einen sowohl wissenschaftlich fundierten als auch anschaulichen Eindruck vom Leben in dieser Zeit zu geben, sagt Alex Graham, Chef der zuständigen Produktionsfirma „Wall to Wall“, die unter anderem das Urwelt-Drama „Die Neandertaler“ und das Vorbild für das Erfolgsformat „Schwarzwaldhaus 1902“ schuf. Die mit den Realaufnahmen gekonnt kombinierten Computereffekte stammen von einem Tochterunternehmen der renommierten Animationsfirma „The Mill“, die für ihr Wirken an Ridley Scotts Römer-Epos „Gladiator“ im letzten Jahr einen Oscar bekam. Requisiten wie Perücken, Waffen, Möbel und Geschirr wurden nach Vorlagen aus Grabstätten und Museen hergestellt.

Die auf Primetime getrimmten Dokumentationen haben dabei alle ein Strickmuster, nach dem derzeit auch viele Natur- oder Wissenschaftsfilme funktionieren: Es gibt eine packende Einführung, die die optischen Höhepunkte vorwegnimmt, dann wird das Tempo gedrosselt und anhand einer Identifikationsfigur eine emotionale Story erzählt. Nicht auszuschließen, dass zwischen Kampfgetümmel, Prozessionen und Folterszenen auch das ein oder andere historische Detail hängen bleibt.

„Die Alten Ägypter“, Ostersonntag, 21 Uhr 45, ARD; weitere Teile am Ostermontag und am 14. und 16. April

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