Der "Playboy" wird Senior : „Nur wegen der Artikel“

60 Jahre nach der ersten Ausgabe des Herrenmagazins wird mehr Geld mit der Marke als den Heften verdient.

Gregor Waschinski [AFP]
„Playboy“-Gründer Hugh Hefner – im Bild mit seiner dritten Frau Crystal Harris – hält das Image des Lebemanns aufrecht. Foto: AFP
„Playboy“-Gründer Hugh Hefner – im Bild mit seiner dritten Frau Crystal Harris – hält das Image des Lebemanns aufrecht. Foto: AFPFoto: AFP

Alles fing an mit den Nacktfotos einer Frau, die in den darauffolgenden Jahren zum Weltstar aufsteigen sollte. Marilyn Monroe stand noch am Anfang ihrer Karriere, als sie vor 60 Jahren die erste Ausgabe des „Playboy“ zierte – aber in den USA war sie schon bekannt genug, dass die Aktbilder dort am Kiosk für Furore sorgten. Das Heft, das Herausgeber Hugh Hefner mit geliehenem Geld finanziert und am Küchentisch zusammengeklebt hatte, verkaufte sich im Dezember 1953 auf Anhieb rund 55 000 Mal.

Sechs Jahrzehnte später hat der „Playboy“ Hefner zum Multimillionär gemacht. Die Zeitschrift mit dem Hasenlogo behauptet tapfer ihre Vormachtstellung im weltweiten Markt der Herrenmagazine, scheint angesichts sinkender Auflagen in der Digitalära aber die beste Zeit hinter sich zu haben. Auch Hefner bemüht sich mit 87 Jahren wacker, das Image des Lebemannes aufrechtzuhalten: An Silvester 2012 heiratete er seine dritte Frau, die 60 Jahre jüngere Crystal Harris.

Während des Militärdienstes war der junge Hefner auf die Idee gekommen, mit nackten Frauen reich zu werden, als er überall in den Kasernen Pin-Ups hängen sah. Insgesamt 8000 Dollar trieb er als Darlehen bei Familie, Freunden und der Bank auf, um den „Playboy“ zu gründen. Hefner begriff allerdings, dass nackte Haut allein für den ganz großen Erfolg nicht reichen würde. Zum Kultobjekt machte er sein Magazin, indem er ein neues Idealbild vom Mann entwarf – den anspruchsvollen urbanen Junggesellen, der Kaschmirpullis trägt, Pfeife raucht und Cocktails schlürft sowie Jazz, Literatur und eben auch die Schönheit der Frauen genießt.

Steven Watts, Autor der Biografie „Mr. Playboy“, nennt Hefner eine „Ikone des modernen amerikanischen Lebensstils“. Und indem der Verleger die Pin-Ups mit Literatur und Politik kombinierte, wurde der „Playboy“ zu einem Heft, das der Mann nicht unter der Matratze zu verstecken brauchte: „Ich kaufe ihn nur wegen der Artikel“, wurde zum Standardwitz. Tatsächlich zielte das Magazin darauf ab, den Sex von der Aura des Anrüchigen zu befreien.

Der „Playboy“ traf den Zeitgeist, und Anfang der 70er Jahre war „Hef“ auf dem Zenit seines Erfolgs: Zu seinem weltweiten Imperium gehörten fast zwei Dutzend Playboy-Clubs sowie Platten-, TV- und Filmfirmen und die berühmte Playboy Mansion in Los Angeles mit der Liebesgrotte und den zahllosen Schlafzimmern, wo er Swingerpartys für die Schönen und Reichen veranstaltete.

Namhafte Autoren wie Joseph Heller, Norman Mailer und John Updike schrieben für den „Playboy“, zu den Interviewpartnern gehörten der spätere US-Präsident Jimmy Carter, Kubas Staatschef Fidel Castro oder Ex-„Beatle“ John Lennon. Und dennoch wurde der „Playboy“ immer wieder hart aus den unterschiedlichsten Richtungen attackiert: Konservative Kreise sahen die christliche Moral gefährdet, Feministinnen die Frau zum Spielobjekt degradiert.

Nachdem der Konzern Verluste zu machen begann, trat Hefner Mitte der 80er Jahre das Kommando an seine Tochter Christie ab, die bis vor fünf Jahren an der Spitze stand. Chefredakteur des Magazins bleibt der „Playboy"-Gründer aber bis heute. Doch der Wandel in der Medienwelt macht dem Flagschiff des Verlags zu schaffen. Anfang 2011 zog sich das Unternehmen mit Sitz im kalifornischen Beverly Hills von der Börse zurück und begann einen harten Sparkurs.

Seitdem versucht der Verlag, sich neu zu erfinden. Dabei rückt das Magazin immer stärker in den Hintergrund - nicht zuletzt, weil nackte Frauen im Internet nur einen Mausklick entfernt sind. Der „Playboy“ setzt vor allem auf seinen großen Markenwert. Denn für die Verwendung des ikonischen Hasenlogos sind Kleidungshersteller oder Clubbesitzer rund um den Globus bereit, hohe Lizenzgebühren zu zahlen. Gregor Waschinski, AFP

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben