Der Prozess : Alle reden vom Wetter

Der bekannte Wettermoderator wurde in seinem Vergewaltigungsprozess frei gesprochen. Aber die ARD will erst nach rechtskräftigem Urteil über ein neues Kachelmann-Engagement entscheiden.

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Zurück an der Wetterfront? Jörg Kachelmann 2007 an der Ostseeküste. Foto: dpa Foto: dpa
Zurück an der Wetterfront? Jörg Kachelmann 2007 an der Ostseeküste. Foto: dpaFoto: dpa

Die ARD hat noch keine Entscheidung getroffen, ob der Wettermoderator Jörg Kachelmann nach dem Freispruch in seinem Vergewaltigungsprozess wieder Vorhersagen im Ersten machen wird. „Solange das Verfahren nicht endgültig abgeschlossen ist und ein Urteil Rechtskraft erlangt hat, sieht die ARD in dieser Angelegenheit keinen Entscheidungsbedarf“, erklärte die ARD-Programmdirektion.

Seit seiner Festnahme wegen der Vergewaltigungsvorwürfe seiner Ex-Freundin im März 2010 hat Kachelmann nicht mehr das Wetter im Ersten moderiert. Der Schweizer galt bis dahin als einer der beliebtesten Wettermoderatoren, er ist auch Gründer der Firma Meteomedia, die für das Erste und weitere Programme der ARD-Sender die Wettervorhersagen produziert.

Noch während des laufenden Prozesses hatte Kachelmann im vergangenen November gesagt, er werde künftig keine Fernseh-Wettervorhersagen mehr machen können. „Nachdem Staatsanwaltschaft und Medien mein angebliches Privatleben gewaltsam öffentlich gemacht haben, wär’s mit dem Blumenkohlwolken-Onkel wohl schwierig“, sagte er damals der „Bild“-Zeitung. Für Radiosender macht er inzwischen aber wieder Wettervorhersagen. Bei Radio Basel, wo Kachelmann einmal die Woche auf Sendung ist, werde der Schweizer nun künftig des Öfteren zu hören sein, sagte Chefredakteur Christian Heeb der dpa. Heeb sagte, auch sein Sender habe vorwiegend aus Deutschland „ganz üble Mails“ zu Kachelmanns Tätigkeit erhalten, sich aber nicht davon beeindrucken lassen. Kurzzeitig hatte Kachelmann auch beim Schweizer Sender Radio Sunshine gearbeitet. Weil es aber Beschwerden von Hörern gab, verzichtete der Sender zunächst auf Wettermoderationen mit dem 52-Jährigen. Auf jeden Fall wird Kachelmann wieder voll beim Wetterdienst Meteomedia einsteigen, dessen Präsident er auch während seines Prozesses geblieben war. Das Unternehmen freue sich „über den längst überfälligen Freispruch unseres Firmengründers“. Kachelmann würde schon neue Projekte vorbereiten.

Nun hatte der Wettermann künftigen Fernsehauftritten ja abgeschworen. Ob es beim Nein aber bleibt, wenn die ARD ihn wieder einlädt? Direkte Vorbilder, nach welchen Kriterien das Erste entscheiden wird, sind schwer zu finden. Es gibt da den Fall des ehemaligen Pro-Sieben-Moderators Andreas Türck, der Anfang 2004 vom Sender wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung beurlaubt wurde. Im Strafprozess wurde Türck freigesprochen, er trat nie wieder als Moderator im Fernsehen auf. Und es gibt den Fall des ehemaligen Talkmasters Michel Friedman, der Mitte 2003 in eine Affäre um Zwangsprostitution und Kokainkonsum verwickelt war. Den Strafbefehl wegen des Kokainbesitzes über 17 400 Euro akzeptierte er, er trat von allen öffentlichen Ämtern zurück, beendete seinen ARD-Talk „Vorsicht! Friedman“ und bat die Öffentlichkeit um eine „zweite Chance“. Im Sommer 2004 kehrte der vorbestrafte Friedman als Talkmaster ins Fernsehen zurück, aktuell ist er beim privaten Nachrichtensender N24 zu sehen.

Der Sänger und Schauspieler Karsten Speck ist ein Wiederholungstäter. Zunächst wurde er 2004 wegen Betrugs zu fast drei Jahren Haft verurteilt. Als Freigänger durfte er weiter in der ZDF-Serie „Hallo Robbie“ mitspielen, doch 2007 wurde Specks Rolle aus der Serie gestrichen. Inzwischen ist er inklusive der Erststrafe zu fünf Jahren Haft wegen Steuerhinterziehung verurteilt worden, die TV-Engagements wurden rar.

Apropos: Der Wetterbericht in der ARD funktioniert auch ohne Jörg Kachelmann. Die Quoten sind nach seinem Zwangsabschied vom Bildschirm stabil geblieben. Joachim Huber

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