Medien : Der Schlaf, die Angst und das Ei

Tom Peuckert

verrät, was Sie nicht verpassen sollten Bekanntlich sind wir Deutschen Experten der Angst. Unsere Angst ist so berühmt, dass die Engländer das deutsche Wort in ihre Sprache übernommen haben. German Angst ist ein Exportschlager. „Flügelschlagend dringen schwarze Raben in mein Herz“ heißt eine Lange Radionacht, die ganz allein dem deutschen Affekt gewidmet ist. Die Angst in all ihren Dimensionen: pathologische Störung und vernünftige Vorsicht, Angst als Zivilisationskrankheit und Angst als Medienhype. Autorin Gabriele von Arnim spricht mit Wissenschaftlern und Künstlern. Natürlich kommen auch Ängstliche aller Couleur zu Wort (Deutschlandradio, 18. Februar, ab 23 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

* * *

Der Schlaf, wir wissen es, ist das erste Opfer der Angst. Doch die Heldin in Haruki Murakamis Hörspiel „Schlaf“ hat eigentlich nichts zu fürchten. Ihr Leben scheint überschaubar, ohne Abgründe. Sie ist dreißig Jahre alt, vertraut ihrem Mann, liebt ihr Kind. Bis sie eines Tages nicht mehr schlafen kann. Gegen alle Naturnotwendigkeit bleibt sie pausenlos wach und lebt trotzdem weiter. Was nun tun mit dem Überschuss an Zeit? In Murakamis surrealer Fantasie driftet die Hauptfigur ab in ein geheimes Paralleluniversum. Sie hat jetzt ein Leben für den Tag und eines für die Nacht. Welches Leben ist das wahre? Wie stets beim Schriftsteller Haruki Murakami gibt es aus derartigen Träumen kein wirkliches Erwachen (Deutschlandradio, 20. Februar, 19 Uhr 05).

* * *

In Karin Fossums Hörspielkrimi „Dunkler Schlaf“ wird das Schlafen zur Metapher. Die norwegische Autorin führt uns in ihre heimatliche Provinz. Zivile Verhältnisse sind hier nur ein ganz dünner Firnis. Ein dunkler Schlaf liegt über den Dingen, aus dem plötzlich die Ungeheuer erwachen. Jugendliche laufen Amok und eine alte Frau verwandelt das Kellerverlies ihres Hauses in eine Folterkammer. Das Unglück der Provinz ist explosiv. Die Autorin erzählt in kunstvollen Montagen und atemberaubend spannend (Deutschlandradio, 21. Februar, 19 Uhr 05).

* * *

Zur Blütezeit der Aufklärung glaubten viele Zeitgenossen, dass die Angst bald aus der Weltgeschichte verschwinden würde. Obwohl die fähigsten Köpfe des Unternehmens schon damals gewisse Zweifel hegten. In Hans Magnus Enzensbergers amüsantem Hörspiel „Diderot und das dunkle Ei“ erleben wir Denis Diderot als Misanthropen. Enzensbergers Fabel ist bestechend simpel: ein Journalist aus der Jetztzeit erscheint in der Wohnung des französischen Enzyklopädisten. Der Gast hat Mikrofon und Recorder dabei, und Diderot tut ihm den Gefallen, einen großen Monolog aufs Band zu sprechen. Eine Ode an den Zweifel, ein skeptisches Manifest. Dabei scheint der Franzose seltsam vertraut mit unseren aktuellen Nöten (Kulturradio, 20 Februar, 14 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

* * *

Deutschland hat ungefähr 2000 hauptberufliche Verlagsvertreter. Was tun diese eigentlich? In Lutz Bunks Feature „Bücher im Koffer“ erzählen die Reisenden in Sachen Literatur über ihr Berufsleben. Die Verlagsvertreter gelten als unverzichtbare Mittler im Geschäft mit dem Lesen. Sie ziehen von Buchhandlung zu Buchhandlung, um für die Neuerscheinungen ihrer Verlage zu werben. Niemand, so heißt es, kann die Marktchancen eines Buches besser beurteilen als der Verlagsvertreter. Das sind genügend Gründe, den Profis nun einmal zuzuhören (Deutschlandradio, 22. Februar, 19 Uhr 05).

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben