Medien : Der Schwarzwaldkliniker

jbh

Herbert Lichtenfeld ist schuld. Er hat die Arztserie ins deutsche Fernsehen hineingeschrieben, damals, 1985, mit der "Schwarzwaldklinik", mit Klausjürgen Wussow als Professor Brinkmann und Gaby Dohm als Schwester Christa. Da war Lichtenfeld schon 58 und immens fleißig gewesen. Weniger ganze Serien oder Serienteile hatte er dem Fernsehen geliefert, sondern Unikate, darunter die legendäre "Tatort"-Folge "Reifezeugnis", in der Nastassja Kinski unter der Regie von Wolfgang Petersen brillierte. 16 Bücher hat er für die Krimi-Reihe geschrieben, die Kommissare Finke (Klaus Schwarzkopf) und Haferkamp (Hansjörg Felmy) mitgeformt. Lichtenfelds Grundthese war, dass jeder Bürger zum Verbrecher werden kann, wenn sich die Umstände gegen ihn stellen. Mit der ständig erhöhten Schlagzahl seiner Drehbücher verringerte sich die Finesse seiner Entwürfe. Auf die Einzelstücke - für das Fernsehspiel "Deutschlandreise" gab es 1968 einen Grimme Preis - folgten Serien ("Der Landarzt"), Mehrteiler ("Unter einem Dach") und Specials, gerne auch für Klausjürgen Wussow. Was er heute im Fernsehen an Unterhaltung geboten bekommt, bezeichnete Lichtenfeld zu seinem 65. Geburtstag als "Katastrophe". "Die fürchterliche Menge, die heute produziert wird, kann ja nur ein schlimmes Resultat haben." Seine eigene Produktion schätzte er auf rund 300 Drehbücher. Was der Autor bei den Sendern ablieferte, galt als ausrecherchiert und für die Produktion perfekt vorbereitet. Das Recherchieren kam von früheren Reporter-Jobs: Was das elektronische Medium brauchte, hatte er als Ressortleiter Fernsehen bei der Zeitschrift "Hörzu" erfahren.

Gestorben ist Herbert Lichtenfeld bereits am 11. Dezember, mit 74 Jahren. In Hamburg - dort, wo der Leipziger nach Notabitur, dem Wechsel in die Bundesrepublik und Gelegenheitsjobs eine Heimat fand.

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