Medien : Der Schwiegersohn-Test

Fritz Wepper begeistert in einer ZDF-Komödie

Thilo Wydra

Das erste, was von ihm im Bild zu sehen ist, das ist eine große Heugabel. Mit der will er dem vermeintlichen Einbrecher auf seiner Terrasse, der später mal sein wirklicher Schwiegersohn sein wird, gehörig einheizen. Heinrich Gievenbeck heißt der Heugabel-Träger, und er wird hier gespielt von Fritz Wepper, dem langjährigen Harry Klein aus „Derrick“, dem anstrengenden Bürgermeister Wöller aus „Um Himmels Willen“. Diesmal muss er niemandem den Wagen vorfahren oder Sätze sprechen wie „Du, Stephan, da stimmt was nicht“. Nein, eigentlich sogar dreht sich die von Michael Karen inszenierte und die von Stefan Rogall geschriebene Komödie „Nicht ohne meinen Schwiegervater“ genau um ihn, das Familienoberhaupt, den Richter, den Alles-richtig-Macher.

Stolz ist er, dieser Heinrich Gievenbeck, stolz auf die vierköpfige Familie – seine Frau Sybille (Ulrike Kriener), seinen postpubertären Sohn Siegfried (Nicolas Kantor), und, ganz besonders, auf sein „Täubchen“, die 30-jährige Tochter Sarah (Julia Stinshoff). Der schöne Schein regiert in diesem Hause, ausgesprochen wird hier nichts, alle leben aneinander vorbei, jeder spielt seine Rolle, und Tochter Sarah ist ohnehin nur seltener Gast. Mit ihm, so Heinrich, könne man schließlich ganz offen reden – keine Geheimnisse! Das sagt er just dem jungen Psychotherapeuten Ulf (Janek Rieke), der mit Sarah zusammen ist, und der die junge Anwältin heiraten will. Aber, da muss er erst mal durch den Vater-Heinrich-Test …

Eigentlich beginnt diese Komödie eher mau, und eigentlich bedient sie von Anfang an jede Menge herkömmlicher Klischees. Will man das sehen? Zunächst zeugt der Stoff von Autor Rogall von keiner sonderlichen Originalität, und auch der dramaturgische Hergang, gar das Ende, ist vorhersehbar. Doch zum Glück gibt’s Fritz Wepper, der hier selbstironisch Sinn für Humor zeigt und das restliche Ensemble an die Wand spielt. Wie er diesen bräsigen, aufgeblasenen Gievenbeck spielt, der von sich selbst derart überzeugt ist, dass zunächst nichts und niemand daran zu rütteln vermag, das hat was. Da wird mit dem Neuen der Tochter auf die Jagd gegangen, sozusagen ein Kräftemessen, und prompt schießt der schusselige Ulf – nicht nur Psychologe, nein, auch noch Wehrdienstverweigerer! – Heinrichs heiß geliebten Rauhaardackel an, der fortan mit überdimensionaler Halskrause umherdackelt. Als ob er’s nicht gleich gesagt hat, der taugt nichts. Wepper spielt alle Nuancen des freilich eifersüchtigen Vaters aus, und ganz nebenbei wird das trotz allen Humors erdrückende Bild eines völlig festgefahrenen Lebens gezeichnet. Dieser Richter mit Haus, Hund und Garten, er hat keine Träume mehr, keine Phantasien. Sein Weltbild ist die Ernüchterung. Durch den sensiblen Ulf gerät es aus den Fugen, könnten zwei Männer doch nicht konträrer sein. Doch Schwäche zeigen kann auch Stärke bedeuten. Am Schluss haben sie beide was davon. Da stehen dann zwei, die durch den anderen etwas begriffen haben. Und dann hat man es doch gerne gesehen.

„Nicht ohne meinen Schwiegervater“: ZDF, 20 Uhr 15

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