Medien : Der siebte Mann

So wie manche Menschen jedes Jahr aufs Neue gute Vorsätze fassen, so hat sich der Axel Springer Verlag bei jedem neuen Vorstandsvorsitzenden vorgenommen: Jetzt wird alles besser. Und nie mehr irgendwelche Intrigen, denn endlich ist ein Vorstandsvorsitzender da, der auf Dauer bleibt und Ruhe ins Haus bringt. Das Jahr 2002 bringt dem Springer-Verlag gleich zweierlei: gute Vorsätze und - wieder einmal - einen neuen Vorstandschef. Mathias Döpfner hat heute seinen offiziell ersten Arbeitstag in dieser Funktion. Wer waren seine Vorgänger? Was zeichnete sie aus? Wie lange hielt es sie an der Spitze?

Peter Tamm: 1. Januar 1970 bis 10. Juli 1991

Als Axel Springer seinen Konzern zur AG umwandelte, wurde Peter Tamm, der "Admiral", Alleinvorstand und dann der erste Vorstandsvorsitzende des Zeitungshauses. Er kämpfte gegen Machtansprüche von Leo Kirch, von Franz und Frieder Burda. Auch gegen Günter Prinz und Günter Wille, die später nacheinander seine Nachfolger wurden.

Günter Wille: 11. Juli 1991 bis 15. November 1993

"Mister Marlboro" war zuvor Manager in der Zigarettenindustrie (Philip Morris). Nach den Machtkämpfen unter Peter Tamm galt er als Integrationsfigur, der für Ruhe sorgen sollte. Wille brachte keine Gefolgschaft aus Vertrauten mit. Als er antrat, kritisierte er die magere Umsatzrendite von 1,8 Prozent. Wille starb am 15. November 1993 an Krebs.

Günter Prinz: 7. Januar 1994 bis 20. Juli 1994

Der Vollblutjournalist war bereits zuvor Peter Tamms Stellvertreter. Der Machtkampf zwischen den beiden endete damit, dass "Onkel Jünne" 16,7 Millionen Mark Abfindung kassierte. Er ging zu Burda. Doch er kehrte zurück, wurde Stellvertreter von Günter Wille. Prinz übernahm nach Willes Tod und ging danach in den Ruhestand.

Horst Keiser: Der Designierte

Es sollte nicht wieder ein Branchenfremder sein. Deshalb wurde 1994 nach Günter Willes Tod Horst Keiser aus den eigenen Reihen zum Vorsitzenden ernannt. Als Vize wurde Jürgen Richter geholt. Es kam überraschend anders: Richter setzte sich durch, übernahm den Vorsitz. Keiser und zwei weitere Vorstände bekamen Abfindungen.

Jürgen Richter: 21. Juli 1994 bis 31. Dezember 1997

Wieder einer von außen, der allein kam. Der Ex-Manager der Medienunion Ludwigshafen hatte den Ruf eines wenig kommunikativen Sanierers, der sich selbst um Spesenrechnungen kümmerte und Angestellte auf dem Gang mit der Frage überraschte, ob sie wüssten, wer er sei. Springer wollte er entideologisieren. Gegen Leo Kirchs Willen.

August A. Fischer: 1. Januar 1998 bis 31. Dezember 2001

Wieder einer von außen. Der Schweizer, der "Gus" genannt werden wollte, bekam den Beinamen "DiMiDo". Lieber als bei Springer verbrachte er das lange Wochenende zu Hause in London. Großen Worten folgten wenige Taten. Die Fernseh- und Auslandspläne scheiterten. Er blieb länger als er wollte und wurde dafür reich entlohnt.

Mathias Döpfner: Seit 1. Januar 2002

Der promovierte "Musikus" mit dem heißen Draht zu Verlegerwitwe Friede Springer gilt längst als eigentlicher Vorstandschef, der die Entscheidungen fällt. Die neue Führungsmannschaft hat er aus Vertrauten aufgebaut. Sein Gesellenstück war die Modernisierung der "Welt". Als Claus Larass, der Döpfner geholt hatte, den Kürzeren ziehen musste, wurde Döpfner Vorstand. Er verantwortete zunächst das Geschäftsfeld Multimedia und dann auch die Zeitungen. Fortan galt: "1. Internet, 2. Internet, 3. Internet". Er übernimmt einen Konzern, der erstmals rote Zahlen schreibt. Döpfners Ziel ist es, zu rationalisieren und die Umsatzrendite zu steigern.

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