Medien : Der Sohn, ein Spion

Brandts Leben wird verfilmt – mit Matthias Brandt als Guillaume

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Am Anfang stand ein Satz: „Es gibt nicht nur eine Wahrheit.“ So kommentierte Willy Brandt Jahre später die so genannte Guillaume-Affäre, die Enttarnung seines engen Mitarbeiters Günter Guillaume, die zu seinem Rücktritt führte.

Diesem Satz ging der ehemalige Spiegel-Reporter Hermann Schreiber nach, er befragte Zeit- und Augenzeugen Brandts zu ihrer Wahrnehmung und gab so den Anstoß zu einem Film, dessen Dreharbeiten vor zwei Wochen in der Bonner Dienstvilla Brandts begannen. „Im Schatten der Macht“ heißt er, Regisseur und Autor ist Oliver Storz. Der Schauspieler Michael Mendl hat die Rolle des unglücklichen Kanzlers Brandt übernommen, Barbara Rudnik die der Ehefrau Rut Brandt. Neben Dieter Pfaff als Hans-Dietrich Genscher spielen Ulrich Mühe, Felix von Manteuffel und Stefan Kurt.

Eine große Besetzung also, eine „Wunschbesetzung", sagt die Produzentin Regina Ziegler bei einem ersten Pressetermin am Rande der Dreharbeiten. Der größte Coup des Films aber: Matthias Brandt, Sohn von Willy Brandt, spielt Günter Guillaume, den Spion. Matthias Brandt ist Schauspieler, von sich aus hat er dem Regisseur angeboten, in dem Film eine Rolle zu übernehmen, gerne auch die des Spions. Für Matthias Brandt ist das keine große Sache. Er habe schließlich, so betont er, „hier kein Erbe zu verwalten", und den Spion auch kaum gekannt. „Ich bin der, der das wahrscheinlich am unspektakulärsten empfindet", sagt Brandt. Gespannt ist er dafür auf die Szenen, in denen Willy Brandt und seine Frau Rut Deutsch sprechen: „Ich habe ja nur erlebt, dass sich die beiden auf Norwegisch unterhalten haben.“ Und so haben auch Regisseur Storz und Brandt-Darsteller Mendl, der bislang noch keine Szene mit Matthias Brandt gedreht und deswegen nach eigenem Bekunden etwas Angst vor der Reaktion des Brandt-Sohns hat, durchaus freie Hand. Denn Storz will nicht die Realität im Film abbilden. Anders etwa als das Dokudrama „Der Verleger“ über das Leben von Axel Springer, soll „Im Schatten der Macht" mehr fiktional angelegt sein. „Ich behalte mir vor, das Bild, das ein Kameramann, ein Schauspieler oder eben ein Regisseur von der Historie entwickelt, auf die Leinwand zu bringen“, sagt Storz.

Deshalb wird ein wesentlicher Bestandteil des 180-Minüters auch die Verfremdung sein – die Schauspieler werden in einigen Szenen das Geschehen kommentieren, anstatt einer Filmkamera wird dort eine Handkamera eingesetzt, um so die Illusion der Darstellung zu zerstören. Annette Schmiede

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