Medien : Der Sound der Tour

Herbert wer? Ein Lob auf ARD-Kommentator Watterott

Mathias Klappenbach

Es waren nur 104 Stunden. Mehr haben ARD und ZDF gar nicht von der Tour berichtet, auch wenn die gefühlte Übertragungszeit viel länger war. Zwar sollten live gemessene Pulsfrequenz der Fahrer, die gerade getretene Wattzahl und viele andere Informationshäppchen aus den oftmals zähen Etappen genießbare Portionen machen. Doch all die Randberichte wie von ZDF-Streckenreporterin Claudia Neumann („Jetzt ist das Feld hier gerade vorbeigefahren“) und Animationen, die zeigen, wo am Fahrrad die Bremse ist, spielten nur eine untergeordnete Rolle. Herbert Watterott wird über die diversen Einspieler nur milde lächeln.

Heute geht Watterotts 40. Tour de France zu Ende, und neben dem Erfolg von Jan Ullrich bleibt die Leistung der Kommentatoren in den Kabinen das entscheidende Element für eine gelungene Übertragung.

Herbert Watterott weiß, dass es in diesem Landstrich hier einen Digestif-Likör mit 32 verschiedenen Kräutern aus der Region gibt. Dabei geht es nicht um den Nutzwert dieser Information. Es ist auch egal, in welcher Region sich die Fahrer oder Watterott gerade befinden, und eigentlich ist es auch egal, welches Jahr gerade ist. Watterotts warme, erfahrene Stimme ist die ewige Klanguntermalung der französischen Landschaften und der sich darin abstrampelnden Radfahrer, sie ist der Sound der Tour. Ohne diesen Sound sind die immergleichen Bilder nur halb so stark. Er ist wichtiger als die vielen Erklärungen zu Taktik und Rennsituationen. In den wenigen Minuten, in denen bei der Tour etwas wirklich Dramatisches passiert, bedarf es keiner großen Erläuterungen, weil man sehen kann, wer den anderen abhängt.

Zusammen mit seinem kongenialen Partner und legitimen Nachfolger Hagen Boßdorf verpasst Watterott manchmal die wichtigen Entwicklungen im Rennen. Deshalb war es eigentlich eine gute Idee, sich in den letzten Tagen mit Erik Zabel einen Experten in die Kabine zu holen. Doch Zabel schien noch geschockt darüber zu sein, dass er in diesem Jahr nicht mitfahren darf, er radelte im Geiste den anderen Fahrern traurig hinterher.

Viel besser machte diesen Job sein verletzter Teamkollege Rolf Aldag im ZDF. Er erklärte verständlich interessante Details aus der Welt der Radprofis und wies Peter Leissl humorvoll in die Schranken, wenn der sich die falsche Renntaktik zusammmenfantasierte. Das gelang dem früheren Profi Jens Heppner auf Eurosport mit Karsten Migels nicht, beide lachten über Migels schlechte Witze und waren oft sehr aufgeregt, obwohl gerade nichts passierte. Bei Herbert Watterott wäre die Pulsfrequenz kaum messbar gewesen.

Letzte Etappe: ZDF, 12 Uhr 57

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