Der Spätheimkehrer : Kerner is coming home

Mit einem Neustart bei Sat 1 kehrt Johannes B. Kerner zu seinen Wurzeln zurück.

Simone Schellhammer
Kerner Foto: ddp
Johannes B. Kerner.Foto: ddp

Bei Sat 1 ist man in Hochstimmung. Ein Flaggschiff naht. Der Countdown läuft. Am 2. November um 21 Uhr 15 wird Johannes B. Kerner, der bisher dreimal die Woche für das ZDF seine Talkshow moderierte, eine neue Sendung bei Sat 1 starten. Titel: „Kerner“, genauso wie 1996, als der noch unbekannte Sportmoderator seine erste tägliche Talkshow bei Sat 1 bekam. Daher macht sich beim Privatsender eine aufgeregte „Kerner-is-coming home“-Stimmung breit, die am Montag im 20. Stock des Hamburger Hotels Empire Riverside einer Runde von Journalisten mitgeteilt wurde.

So wird die neue Sendung aussehen: Weniger Promis, mehr Tempo, mehr Service, mehr Filmeinspieler, „unterhaltsame Studio-Aktionen“ und gerne ein paar Löwenbabys auf dem Moderatorentisch. Keine Politik, dafür Werbeunterbrechungen und mehr Zuschauerbeteiligung. „Wir haben schon überlegt, ob wir eine Online-Redaktionskonferenz machen“, so Kerner. Bei Themen wie Wachkomapatienten wird es sicher emotionaler als beim öffentlich-rechtlichen Sender. Die Zielgruppe hingegen ist nicht sehr viel jünger als beim ZDF: Frauen zwischen 30 und 59 sollen es sein, ein Marktanteil im zweistelligen Bereich wäre wünschenswert. Beim ZDF hatte „Kerner“ zuletzt um die neun Prozent.

„Als wir Kerner vor einem halben Jahr zu uns holten“, sagt Sat 1-Geschäftsführer Guido Bolten, „haben wir angepeilt, 30 bis 40 Prozent der Sendung anders zu machen als beim ZDF.“ Das scheint etwas hoch gegriffen. Kerner ist immer zu 100 Prozent Kerner, daran können auch neue Farben und Bewegung im Studio nichts ändern. „Ich bleib’ mir treu“, sagt er und bringt seine bewährte 20-köpfige Hamburger Redaktion in Stellung. Sein Ziel: die „Revitalisierung“ von Sat 1. Auch in der Sportberichterstattung will er „das aufleben lassen, was ‚ran‘ einmal war.“ Er wird Hauptmoderator für die Champions League und den Uefa-Cup. Beide Fußballturniere kaufte Sat 1 für geschätzte 75 Millionen Euro jährlich bis 2012 ein. So lange wird Kerner mindestens bleiben.

Ein Grund für den Weggang beim ZDF, so Kerner, sei gewesen, dass man ihm dort nur einen Drei-Jahres-Vertrag angeboten habe. Zwölf Jahre war der oft als geschmeidiger Dampfplauderer kritisierte beim Mainzer Sender. Auf die Frage, ob die nächste Dekade Sat 1 gehöre, sagte er: „Ich habe nichts dagegen.“ Nach Oliver Pocher, in dessen erster Sendung bei Sat 1 Kerner zu Gast war, wechselt nun noch eine Fernsehgröße zu Sat 1. Für sein neues Fernseh-Baby will sich der 46-Jährige „mit aller Leidenschaft“ einsetzen. Kerners Werbetätigkeiten (unter anderem für Geflügelfleisch) gingen „gut nebenher“. Da fühle er sich auch bei einer kritischen Berichterstattung nicht beschnitten.Simone Schellhammer

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