Der Sport-Tag : "Ich habe keine Zweifel!"

Seit heute liegt der Sport-Tag am Kiosk. Die Herausgeber von Deutschlands erster täglicher Sportzeitung haben sich ehrgeizige Ziele gesetzt. Tagesspiegel Online hat mit dem Verleger Michael Hahn über sein sportliches Projekt gesprochen.

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Herr Hahn, während deutschlandweit die Auflagen schrumpfen und die Berichterstattung zunehmend ins Internet verlegt wird, bringen Sie eine neue Zeitung auf den Markt, die auf 24 Seiten ausschließlich über Sport berichtet. Ist Ihr Projekt ein gedruckter Anachronismus?



Das denke ich nicht. Ich glaube vielmehr, dass der deutsche Zeitungsmarkt diese tägliche Sportzeitung seit zwanzig Jahren braucht, es hat sich nur noch niemand getraut, eine zu machen. Zudem habe ich die Diskussion darüber, ob das jetzt noch zeitgemäß ist, im Vorfeld mit vielen Leuten geführt. Und ich kann Ihnen versichern, dass nicht einmal meine Enkel in der U-Bahn von iPad-Menschen umgeben sein werden. Das garantiere ich Ihnen, auch wenn es vielleicht nicht in Ihr Weltbild passt.

Trotzdem erscheint die Vorstellung, sich mit diesem Konzept gegen Tageszeitungen und Online-Portale wie Sport1 oder Spox durchzusetzen, nahezu utopisch.

Ich sehe das gar nicht so verbissen. Wir stehen nicht in einer unmittelbaren Konkurrenzsituation mit Online-Redaktionen oder dem Sportteil der Tageszeitungen. Wir sind vielmehr eine gute Ergänzung.

Trotz allem müssen Sie, um sich auf dem Markt behaupten zu können, wahrscheinlich erst einmal eine Nische besetzen. Was ist Ihrer Meinung nach das Alleinstellungsmerkmal des Sport-Tags?

Dass ich morgens in der U-Bahn, wenn ich zur Arbeit gehe, eine Zeitung kaufen kann und alles, was mich am Sport interessiert, sofort in einer Zeitung lesen kann. Und zwar aktueller als in jeder anderen Zeitung, weil wir einen extrem späten Redaktionsschluss haben, der bei wichtigen Ereignissen und Entwicklungen sogar noch einmal nach hinten verlegt werden kann.

Die Optik und auch der Name wirken sehr altbacken. Wieso haben Sie Ihre Zeitung schlicht Sport-Tag genannt?

Weil wir einen Namen finden mussten, der nicht angreifbar ist.

Und wen wollen Sie damit ansprechen?

Sportbegeisterte Deutsche, die weder dem Sensations- noch dem Boulevard-Journalismus zugetan sind.

Das klingt nach wie vor sehr bieder. Denken Sie, dass Sie so auch die Facebook-Generation erreichen können?

Ich glaube nicht, dass wir die ganz jungen Leute mit der Zeitung erreichen können. Wir werden sie eher dort abholen, wo sie zu finden sind. Im Internet. Aber unsere Zielgruppe sind generell eher Leser von 25 aufwärts.

Derzeit arbeiten nur zwölf feste Mitarbeiter und zwanzig Freie für Sie. Wie wollen Sie es schaffen, mit diesem schmalen Stamm nicht nur bloße Berichterstattung, sondern auch Hintergründe zu liefern?

Wir werden die Anzahl der Mitarbeiter verdreifachen, nehmen jeden Tag neue Journalisten unter Vertrag. Außerdem haben wir schon jetzt Hintergrundgeschichten im Blatt, und wir würden auch noch mehr machen, haben aber noch keinen Platz dafür.

Die großen Sportligen gehen bald in ihre entscheidende Phase, die Bundesliga ist durch die WM verkürzt. Besteht die Gefahr, dass Sie im Mai in ein Loch fallen?

Das glaube ich nicht. Auf jeden Fall in kein Sportloch. Weil wir diese Zeit mit Hintergrund füllen werden. Und außerdem sind 24 Seiten wirklich nicht viel und irgendetwas passiert immer. Ich habe keinen Zweifel daran, dass wir Erfolg haben werden. Und zur WM werden wir jeden Tag 500.000 Exemplare verkaufen. Da bin ich mir sicher.

Wenn Ihnen bis dahin das Geld nicht ausgeht.

Glauben Sie mir: Die Finanzen sind unser geringstes Problem.

Das Interview führte Lucas Vogelsang.

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