Medien : Der Staub und die verlorene Zeit

Tom Peuckert

verrät, was Sie nicht verpassen sollten Staub zählt im Allgemeinen zu den lästigen Bagatellen unseres Alltags. Die Hausfrau hat ihre Mühe damit, die Kinder spielen gern in selbigem, basta. Aber der Staub ist am Ende doch eine viel komplexere Angelegenheit. Markus Metz und Georg Seeßlen haben ein Feature darüber gemacht. In „Einheimisch, zugereist, außerirdisch“ erzählen sie von den aktuellen Resultaten der Staubforschung. Die Staubforscher untersuchen die Stäube der Erde, dokumentieren die weiten Reisen des Staubes und analysieren seine positive Rolle fürs globale Klima. Staub, so lernen wir, ist tatsächlich eine weltbewegende Angelegenheit (Deutschlandradio Kultur, 14. Juli, 19 Uhr 30, UKW 89,6 MHz).

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Alexis de Tocquevilles Studien über die amerikanische Demokratie sollten in die Hausapotheke jedes Gebildeten gehören. Der französische Jurist hat 1831 die USA bereist und hinterher ein äußerst scharfsinniges, sehr nüchternes Buch über Leistungen, Grenzen und Gefahren des dortigen Staatswesens geschrieben. Er hat den Geist der Demokratie erforscht und ihn in Beziehung gesetzt zur Mentalität der Amerikaner. Noch heute kann man mit Tocquevilles Buch Ordnung in seine widersprüchlichen Gedanken zum Thema USA bringen. Hans Pleschinski würdigt den Franzosen in seinem Radioessay „Das Wunder der amerikanischen Demokratie“ (Kulturradio, 14. Juli, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Autorin Felicitas Morgenstern hat eine Berliner Putzfrau in ihre Arbeitswelt begleitet. Im Feature „Die Putze kommt um fünf“ erfahren wir nur den Vornamen der Porträtierten, denn in ihrem Gewerbe regelt man Lohnfragen meist ohne Finanzamt. Die Putzfrau tut Dinge, für die ihre Auftraggeber keine Zeit haben. Weil ihr Leben zu wichtig ist und ihre Arbeitskraft zu kostbar. Das Feature führt in mehrere Berliner Wohnungen und in zwei schroff voneinander getrennte Milieus. In dem einen verdient man seinen Lebensunterhalt mit einfachsten Dienstleistungen. In dem anderen wird fremdgeputzt (Kulturradio, 16. Juli, 9 Uhr 05).

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Wer gut abgehangene und trotzdem schöne Hörspiele mag, sollte „Wilde Erdbeeren“ nicht verpassen. Vor vierzig Jahren hat Regisseur Rudolf Noelte Bergmans berühmten Film fürs Radio adaptiert. Die Geschichte des misanthropischen Professors Isak Borg als akustisches Traumspiel. Der alte Borg fährt mit seiner Tochter nach Lund, wo er Ehrendoktor an der Universität werden soll. Die Reise verführt ihn zu einer Lebensbilanz. Stets hat er Mitmenschen und eigene Gefühle mit kühler Präzision analysiert. Jetzt wirbeln Erinnerungen und Fantasien in seinem Kopf wild durcheinander (Deutschlandfunk, 16. Juli, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

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Haben Sie den ganzen Proust gelesen? Oder sind Sie auch irgendwo auf den ersten hundert Seiten des großen Werkes stecken geblieben? Man kann danach ein bisschen über Madeleines parlieren, aber die verlorene Ze it hat man nicht wiedergefunden. Wer wissen will, wie es in Marcel Prousts erotischem Universum weitergeht, sollte das Radio einschalten. Dort ist die Gesamtlesung der „Recherche“ schon bis zu Band 3 fortgeschritten. Jeden Nachmittag und Abend entführt Vorleser Peter Matic in „Die Welt der Guermantes“ (Kulturradio, Montags bis Freitags, 14 Uhr 30, Wiederholung ab 23 Uhr 04).

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