Medien : Der Tagesspiegel

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ZU MEINEM ÄRGER

Herr Jörges, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien am meisten geärgert?

Die Nachricht war klein – und doch bestürzend: Selbst die große, erfolgreiche „Süddeutsche Zeitung“ ist durch Konjunkturflaute und Anzeigenkrise so unter Druck geraten, dass sie ihre Redaktion verkleinert. Zehn Prozent weniger Journalisten, kündigt der Verlag an, „betriebsbedingte Kündigungen“ nicht ausgeschlossen. Zehn Prozent, das ist das neue Maß des Unglücks, schon im vergangenen Jahr vom Springer-Verlag gesetzt. Ein Dammbruch mit flächendeckenden Folgen. Die Presse als Krisenbranche – und vermutlich ist noch nicht einmal der Höhepunkt erreicht.

Gibt es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Geradezu entzückt war ich über ein erfrischend freches Interview mit dem Jugendforscher Arthur Fischer, erschienen in der „Frankfurter Rundschau“ am vergangenen Dienstag. Der schönste seiner treffenden Sätze über die Debatte nach dem Amoklauf von Erfurt: „Die großen Erklärer, die jetzt wieder mit ihren Bauchläden an allen Ecken stehen und die gleichen falschen Schnürsenkel verkaufen wollen, die helfen uns nicht.“ Unbedingt nachlesen – das ganze Interview! Diesen Mann möchte man einmal in einer Talkshow erleben, konfrontiert mit einem der üblichen Schnürsenkelverkäufer.

Hans-Ulrich Jörges ist seit Mittwoch stellvertretender Chefredakteur des „Stern“ und Chef des Berlin-Büros.

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