Medien : Der Tagesspiegel

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ZU MEINEM ÄRGER

Herr Wagner, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien am meisten geärgert?

Über den Boulevard der Hauptstadt, auf dem sich ein schillernder Botschafter inklusive schillernder Gattin, Reporter, Friseure, klatschsüchtige Flaneure und Bordsteinschwalben lustvoll begegneten – und wo nun alle „huch" schreien und moralisieren, und Anwälte eidesstattliche Erklärungen aus den Ärmeln ziehen wie Zauberer weiße Kaninchen. Was für ein bigotter Boulevard der Dämmerung, auf dem die Anwälte nun im Stechschritt marschieren, untergehakt mit der Bordsteinschwalbe, dem Vögelchen, das nun in seiner zweiten eidesstattlichen Erklärung widerrief, was es in der ersten gesungen hatte und alle druckten und sendeten („Bild", „Bunte", ZDF): Die exzellenten Nächte. „Wer wird Millionär?", fragte die „SZ" am Sonnabend. „Bild" wusste es auf Seite 1: Zehn Millionen für den Botschafter.

Gibt es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Über die Wucht der Worte Marcel Reich-Ranickis beziehungsweise seine Klage-Flüche gegen Walser in seiner Dankesrede zur Verleihung der Ehrendoktorwürde der Ludwig-Maximilian-Universität München, dokumentiert in der Freitags-„FAZ": „…Ich bin nun 82 Jahre alt, doch der Autor vom Bodensee kann sich nicht damit abfinden, dass ich noch lebe und arbeite. Er kann sich ja ausrechnen, dass das nicht mehr lange dauern wird. Aber er ist auf grausame Weise ungeduldig."

Franz Josef Wagner ist Autor und Kolumnist beim Axel Springer Verlag („Bild", „Welt am Sonntag").

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