Medien : Der Traum vom schnellen Geld

Tom Peuckert

verrät, was Sie nicht verpassen sollten In meiner Straße (aufstrebendes Szeneviertel) haben im letzten Jahr zwei schicke Cafés, ein italienisches Delikatessengeschäft und eine Cocktailbar neu aufgemacht. Es gibt auch eine Physiotherapeutin, die Wellnessmassagen anbietet, und einen Akupunkturarzt für Privatpatienten. Das süße Leben fängt gleich neben der Haustür an. Man kann nach diesem Leben mühelos süchtig werden. Es kostet allerdings ein bisschen Geld. Man sitzt also im schicken Café und träumt von radikaler Geldvermehrung. Noch schneller schreiben? Mehr Unternehmergeist wagen? Ein Tippschein im Lotto? Wir reden hier von spezifischen Suchtformen, die unsere radikale Marktgesellschaft bei ihren Bewohnern erzeugt.

Ein Thema, dem das Deutschlandradio gerade eine Reihe unter dem Titel „Süchte“ widmet. In den Features „Warum soll ich nach Vegas fahren?“ von Angelika Perl (26. Mai, 19 Uhr 05) und „Wer gewinnt, hat Pech gehabt“ von Peter Kainz (27. Mai, 19 Uhr 05, beide UKW 89,6 MHz) lernen wir Opfer der Spielsucht kennen. Moderne Glücksritter, die der quälenden Begierde verfallen sind, aus wenig Geld in kürzester Zeit ganz viel Geld zu machen. Die im Spielkasino gegen den mathematischen Zufall kämpfen und dabei ein Leben am Rand des Abgrunds führen. Die Zahl der Kasinos in Deutschland hat sich in den letzten zehn Jahren verdreifacht. Was bestimmt irgendwie mit dem süßen Leben vor jedermanns Haustür zusammenhängt.

Wer gewonnen hat, darf in den Süden fahren. Wo die Genüsse auf der Straße liegen. Der Süden ist ein beliebter Ort, wenn es um Glücksfantasien geht. „Was bei uns schreitet, schwebt hier im Tanz“ ist der Titel einer von Wolfgang Koczian moderierten Radionacht über den Mythos des Südens. Viele Nationen haben ihren je eigenen südlichen Sehnsuchtsraum: Deutschlands Süden heißt Italien, der Franzose träumt von Spaniens Sonne, US-Amerikaner glauben an das leichte Leben in Mexiko. Herz erwärmende Träume vom schönen Gegenbild der eigenen Kultur (28. Mai, ab 23 Uhr 05, Deutschlandradio).

Eine Lange Nacht vom großen Unglück veranstaltet Kulturradio unter dem Titel „Achtung, Achtung, hier spricht der Krieg!“ . Texte und Klänge zum Ersten Weltkrieg, live gesendet aus dem Deutschen Historischen Museum. Ein fünfstündiger Reigen von Dokumenten, die Handlungsräume des Krieges anschaulich machen. Gelesen von exzellenten Schauspielern, komplettiert von mehreren Klangperformances (29. Mai. ab 21 Uhr 05, UKW 92,4 MHz).

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