Medien : Der unbequeme Gegner

Ein Arte-Film zeigt, dass die US-Behörden in den Mord an Martin Luther King verwickelt waren

Ingo Wolff

Es ist ein schlichtes weißes Haus mit braunem Balken und einer Veranda vor der Tür. Ein Haus im Südstaatenstil, wie es tausendfach in Atlanta steht. Dennoch ist es einmalig. In regelmäßigen Abständen verharren Afro-Amerikaner davor und brechen in Tränen aus. Es ist das Geburtshaus von Martin Luther King und für Millionen Schwarze die Wiege für den Widerstandskampf gegen die weiße Regierung der USA. Nur wenige Schritte entfernt befindet sich auch das Symbol dafür, dass Martin Luther King diesen Kampf teuer bezahlen musste: ein weißer Sarkophag auf einer braunen Insel in einem blauen Brunnen.

Obwohl nur James Earl Ray als Einzeltäter für das Attentat am 4. April 1968 verurteilt wurde, blieben immer Zweifel an der offiziellen Mordversion. Erst 30 Jahre später wurden diese Zweifel offiziell bestätigt. Ein Gericht untersuchte 1999 die Indizien und Beweise, die Rechtsanwalt William F. Pepper mit der Witwe Coretta Scott King zusammengetragen und in einem Buch veröffentlicht hat. Gezeigt wurden diese Zeugenaussagen jedoch nie. Der Film „Martin Luther King – ein Staatsverbrechen“ von Claus Bredenbrock und Pagonis Pagonakis präsentiert nun erstmals die teilweise unter Verschluss gehaltenen Mitschnitte der Aussagen. Richter James Swearingen kommt zu Wort ebenso wie Gerd Ruge. Der Journalist berichtet damals Stunden nach dem Attentat für die ARD vom Tatort und machte – ohne es zu wissen – Bilder von der Umgebung des Lorraine Motels, die Beweismittel für die Manipulation des Tatorts nach dem Mord wurden.

Dass diese Veränderungen von staatlichen Stellen vorgenommen wurden, belegen Interviews mit Mitgliedern der Feuerwache ebenso wie die Aussage des Chefs der Stadtreinigung. Auch der Hauptangeklagte Loyd Jowers ist in dem bewegenden Moment zu sehen, wo er erstmals Kings Witwe gegenübersitzt. Jowers war der Besitzer des Restaurants, von dem wohl der tödliche Schuss ausgegangen ist und wo anschließend die Tatwaffe versteckt wurde.

Der Film bindet in fünfzig Minuten die Aussagen ein in Bilder von den Rassenunruhen in den Wochen vor dem tödlichen Schuss sowie der Rede von King wenige Stunden vor seinem Tod und lässt nur einen eindeutigen Schluss zu: King ist als unbequemer Gegner der weißen amerikanischen Regierung von staatlichen Stellen geplant umgebracht worden. Doch obwohl das Gericht in Memphis nach dem vierwöchigen Prozess die Staatsschuld an diesem Mord festgestellt hat, sind die Strafverfolgungsbehörden nach wie vor nicht an den Erkenntnissen interessiert und halten weiterhin an der Einzeltätertheorie fest – trotz der erdrückenden Beweisführung der Bilder und Aussagen.

„Martin Luther King – ein Staatsverbrechen“, Arte 20 Uhr 45

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