Medien : Der Untergang

Neue Wissenschaftsreihe im ZDF: Zum Auftakt wird die Geschichte des ersten U-Bootes erzählt, das 1864 sank

Thomas Gehringer

Das erste U-Boot wurde von acht Männern an Handkurbeln angetrieben, sie rammten eine Lanze mit Sprengstoff in die Seite des feindlichen Schiffs. Nun kurbelten die Männer wieder zurück und zündeten die Sprengladung.

Das geschah im Amerikanischen Bürgerkrieg, am 17. Februar 1864, als erstmals in der Geschichte ein Angriff unter Wasser geführt wurde – mit zwiespältigem Erfolg. Zwar wurde das Schlachtschiff der Nordstaaten im Hafen von Charleston versenkt, doch auch das U-Boot „CSS Hunley“ tauchte nicht mehr auf. Im August 2000 wurde es gehoben, und seither arbeiten sich Archäologen durch Tausende von Fundstücke.

Das ist der Stoff, aus dem das ZDF am frühen Sonntagabend seine populären Wissenschaftsreihen bastelt: „Mission X“ nun in einer zweiten Staffel wieder aufgelegt, erzählt von „Erfindungen, die Wendepunkte in der Geschichte markieren und noch heute unser Leben bestimmen“, sagt Redakteur Günter Myrell. In den vier weiteren Folgen geht es um elektrischen Strom, Gummi, Telegrafie und die Radartechnik. „Die Geschichte der technischen Errungenschaften wird stark an einen Charakter gebunden, damit die Zuschauer einen emotionalen Bezug haben“, sagt Autor und Produzent Axel Engstfeld. So entsteht zum Auftakt eine Wissenschaftsreportage, die durch zahlreiche inszenierte Spielszenen angereichert ist – mit stummen Schauspielern übrigens, weil das den Vertrieb auf dem internationalen Markt erleichtern soll. Neben den Studio-Aufnahmen in Prag drehte Engstfeld im Fühlinger See in Köln Unterwasserbilder mit einem ein Meter großen Modell der „CSS Hunley“. Das führt jedoch zu einem irritierenden Kommentar, der aus dem Off mal nüchterne wissenschaftliche Fakten und mal stimmungsgeladene fiktionale Szenen präsentiert. Eben noch wird die Arbeitsweise der Archäologen sachlich erläutert, da heißt es plötzlich über die neue (Schauspieler-)Besatzung im nachgebauten Innenraum der „CSS Hunley“: „Es sind harte Burschen und Patrioten.“

Und der Namensgeber? Die Charakterdarstellung des Südstaatlers Horace Hunley bleibt blass. Hunley war ein junger und reicher Plantagenbesitzer in New Orleans, der sich einst von der kühnen U-Boot-Idee eines „patriotischen Ingenieurs“ begeistern ließ (waren die Nordstaatler eigentlich keine Patrioten?). Die historische Zerstörung des ersten Schlachtschiffs durch sein U-Boot erlebte er selbst nicht mehr mit: Hunley war bereits zuvor bei einer Testfahrt ums Leben gekommen.

„Mission X“: 19 Uhr 30, ZDF

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