Medien : Der Unzugehörige

Eckart Lottmann

Ein Heimatloser: Peter Weiss floh vor den Nazis nach England, in die Tschechoslowakei, nach Schweden. Der begabte Maler war grenzenlos einsam, verzweifelt, arbeitsunfähig. „Unzugehörig“ blieb Weiss auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, doch nun fand er seine Aufgabe: Weiss schrieb Bücher, machte Filme und Theaterstücke, die die politischen Zustände verändern sollten. Peter Weiss wurde in beiden deutschen Staaten berühmt – und angefeindet. Ein Leben in Gegensätzen.

Der heute laufende Film über Peter Weiss gehört zur Reihe „Deutsche Lebensläufe“, die bis zum 7. März wöchentlich ausgestrahlt wird. Ein ambitioniertes Projekt: Im Wesentlichen von den eher „kleinen“ Sendern SWR und RBB getragen, werden hier „Kulturköpfe des 20. Jahrhunderts“ portraitiert, „in deren Lebensläufe Geschichte eingeschrieben ist“: darunter Harry Graf Kessler, den man heute einen Kulturmanager nennen würde, und die Regisseure Fritz Kortner und Rainer Werner Fassbinder.

Viele dieser deutschen Lebensläufe sind durch den Nazi-Terror verbogen und beschädigt worden. Autor Ullrich Kasten führt die psychische Not des jungen Peter Weiss jedoch nicht nur auf die Verfolgung der Juden im Dritten Reich zurück. Peter Weiss fühlte sich schutzlos in der eigenen Familie, bedroht von der Mutter. Der Unfalltod seiner jüngeren Schwester stürzte ihn für Jahre in Trauer. Eine Psychotherapie schlug nicht an. Die Kunst – Bilder, Filme, Texte – war es, die Weiss am Leben hielt.

Nach dem Krieg schreibt Weiss über das besiegte Deutschland, die Not des Wiederanfangs. Er will politisch wirken, sieht in der DDR bessere Voraussetzungen für eine menschliche Gesellschaft. Dass dieser Weg eine Sackgasse ist, erkennt er 1970, als die DDR ihn des Landes verweist: Sein neues Stück über Trotzki passt nicht zur offiziellen Politik. Resigniert hat Weiss trotzdem nicht: „Die Ästhetik des Widerstands“, sein vielleicht wichtigstes Buch, beschreibt seine Sicht der Verbindung von Kunst und Politik. Weiss’ literarische Karriere beherrscht und trägt den Film auch über die für Portraits außergewöhnliche Länge von sechzig Minuten.

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