Medien : Der Wandel und der Handel

Tom Peuckert

Eine Geschichte aus den Archiven der DDR erzählt Paul Kohls Feature „Der Fall Herbert Häber“ . Eine Anekdote aus den geheimen Zirkeln der Macht, eine politische Farce, eine kuriose Tragödie. Herbert Häber war ein junges Talent in der greisen Nomenklatura des untergegangenen Staates. Anfang der Achtziger stieg er als Honeckers Kronprinz kometenhaft auf und stürzte ebenso rasch wieder ab. Ein Opfer stalinesker Willkür, das es von den Tischen der Macht direkt in die Psychiatrie verschlug. Ein Mann, der ein paar Jahre zu früh kam und dafür bitter bezahlen musste (Kulturradio, 16. November, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

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Das Sterben, sagen die Kulturkritiker, ist zu einem Betriebsgeheimnis des Lebens geworden. Wer tot ist, wird sofort der öffentlichen Wahrnehmung entzogen. Sogar die Leichenwagen tragen hierzulande neutrale Farben. Aber in Stefanie Müller-Franks preisgekröntem Feature „Nichts kann mich jetzt trösten“ wird ausgiebig über den Tod geredet. Die Autorin reflektiert das Verlieren und das Trauern, die Trostlosigkeit und das Getröstetwerden. Einerseits ist der moderne Mensch sehr erfinderisch, wenn es um die Steigerung seiner Bequemlichkeit geht, andererseits steht er noch immer hilflos vor der eigenen Trauer. Wenn ein geliebter Mensch stirbt, bleibt nur der Weg durch das Tal des Jammerns (Kulturradio, 17. November, 22 Uhr 04).

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Irgendwann kam die Werbung auf die Verbindung von Sparsamkeit und Erotik. Geiz ist geil, hämmerte es von den Plakatwänden. Ein Angriff auf die gepflegten Traditionen des Warenaustausches in Deutschland, auf eine gut domestizierte Kultur des Handels. In seinem amüsanten Feature „Kriegen und Haben“ untersucht Walter Filz vor allem die Rolle der Firma Ebay im neuen Handelskrieg. Deren Geschäfte florieren in Deutschland besonders gut. Ebay ist kein Händler, sondern ein Vermieter von Marktflächen. Hier finden sich seriöse Verkäufer, aber auch Schelme aller Art. Filz hat auf den virtuellen Basaren herumgestöbert und erklärt uns, was sich dort für die Zukunft des Handels lernen lässt (Deutschlandradio Kultur, 19. November, 18 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

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Wer erschoss Kennedy wirklich? Bekanntlich eine Frage, die Amerika nicht zur Ruhe kommen lässt. Es streiten Paranoiker und Normaldenker, Apokalyptiker und Integrierte. Auch Hollywood nimmt sich regelmäßig des Themas an. Aber jetzt klärt ein Berliner Kultursender die Dinge endgültig. Wer den Präsidenten tatsächlich erschoss und warum er es tat, offenbart Autor Christian Blees in seinem Doku-Hörspiel „Der Kaiser von Dal las“ . Blees hat im Berliner Stasi-Archiv Tonbänder aus den Sechzigern gefunden und ist danach rund um die Welt gefahren. Seine Entdeckungen machen schwindelerregende Korrekturen unseres bisherigen Weltbildes nötig (Deutschlandradio Kultur, 21. November, 0 Uhr 05).

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Ein Mann in den mittleren Jahren sitzt in einem Zug. Er hat ein klares Ziel und eindeutige Absichten. Aber dann wird aus der Fahrt eine überaus komplizierte Angelegenheit. Holger Böhmes Hörspiel „In einem Zug“ schickt die Hauptfigur auf eine abgründige Lebensreise. In kunstvollen Montagen reist der Mann auf den Spuren der eigenen Erinnerung weit zurück. Ein unbekannter Sohn taucht auf, ungeklärte Lebensfragen werden drängend, Versäumnisse erweisen sich als gravierend. Der Reisende war stets ein Mann nüchterner Tatsachen. Aber nun geben sie keinen Halt mehr (Deutschlandfunk, 22. November, 20 Uhr 10, UKW 97,7 MHz).

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