Medien : Der Wille zum eigenen Bild

Ob privat oder öffentlich-rechtlich: Die deutschen TV-Stationen wollen mehr als die CNN-Perspektive

Antje Kraschinski,Matthias Bartsch

Von Antje Kraschinski

und Matthias Bartsch

Kommt es zum Krieg im Irak? Die deutschen Fernsehsender sind einsatzbereit: Die Teams in der Region wurden bereits verstärkt, neue Kooperationen mit ausländischen TV-Stationen geschlossen, die Journalisten für den Ernstfall trainiert. „Die nicht sehr positiven Erfahrungen aus dem letzten Golfkrieg wollen wir auf keinen Fall wiederholen", sagt Immo Vogel, Leiter der ARD- Auslandsabteilung und Koordinator für die Berichterstattung aus der Region. „CNN wurde ja regelrecht zum Instrument zwischen den beiden Kriegsparteien.“ Ein derartiges Informations-Monopol soll es nach dem Willen der deutschen Sender nicht wieder geben.

Bei RTL laufen die Vorbereitungen seit September. Hauptkorrespondentin ist Antonia Rados, die schon über den Afghanistan-Krieg berichtet hat. In Bagdad hat RTL ein Büro eingerichtet und zusätzliche Korrespondenten nach Kuwait, Jordanien und Israel geschickt. Außerdem ist ein Korrespondent für Berichte von einem US-Kriegsschiff vorgesehen. Der größte Vorteil bei der Bildbeschaffung dürfte in der Zusammenarbeit mit dem US-Sender CNN und der deutschen Nachrichtenstation n-tv liegen. CNN ist über die Muttergesellschaft AOL Time Warner ebenso Gesellschafter von n-tv wie der Kölner Privatsender über die RTL-Group. „Diese Kooperationen werden uns die Arbeit sehr erleichtern“, sagt RTL-Informationsdirektor Hans Mahr.

Auch die ARD wird mit einem US-Sender zusammenarbeiten. Zur technischen Unterstützung hat sie vor kurzem einen Vertrag mit dem Network ABC abgeschlossen. „ABC berichtet normalerweise wenig aus dem Ausland. Wenn aber eine Sache von Interesse ist, wie jetzt im Irak, dann bringen die sehr viel Logistik an Ort und Stelle. Das ist auch für uns von Vorteil“, sagt Vogel. Das ARD-Korrespondentennetz in der Region wurde mit zusätzlichen Berichterstattern verstärkt. Nicht nur aus Kuwait, Jordanien und Ägypten wird berichtet: Ein Team wurde auch in den Golfstaat Katar entsandt. Dort hat das US-Militär gerade seinen Planungsstab stationiert. Jörg Armbruster, der normalerweise aus Kairo berichtet, ist bereits in Bagdad, wo ein sechsköpfiges Team arbeitet. „Mit dem Status ,Ständiges Büro’ hoffen wir, dass die Visumfrage großzügiger gehandhabt wird“, sagt Vogel. Denn die Einreisebestimmungen für Medienvertreter sind im Irak strikt geregelt. Journalisten brauchen ein Visum vom Informationsministerium. Das erlaubt einen Aufenthalt von zehn Tagen. Mit drei Verlängerungen sind maximal 40 Tage Aufenthalt möglich.

Für das ZDF sind drei Producer-Teams in der Region, die sich alle vier Wochen in Bagdad abwechseln. Dazu kommen die Reporter-Pools in Kairo, Tel Aviv und Teheran. Größter Trumpf könnte die Kooperation mit dem arabischen Nachrichtensender Al Dschasira sein.

Aber wie glaubwürdig sind fremde Quellen, zumal es im Kriegsfall zu Zensur und Manipulation kommen kann? „Wir werden quälend-kritisch mit dieser Situation umgehen. Trotzdem sind wir froh über die Möglichkeit, verschiedene Bildquellen nutzen zu können“, sagt Matthias Fornoff, Chef vom Dienst und Koordinator beim ZDF. Auch n-tv- Chefredakteur Markus Föderl ist kritisch: „Uns ist klar, dass das Bildmaterial von den Amerikanern zensiert werden könnte. Wann immer dies der Fall ist, werden wir es dem Zuschauer kenntlich machen.“

N-24-Chefredakteur Peter Limbourg will auf keinen Fall „sensationsheischenden“ Journalismus machen. Der Sender, der auch Sat 1 und Pro 7 mit Nachrichtenmaterial beliefert, schickt gerade Korrespondenten nach Bagdad, Kuwait und Jerusalem. Ohne Zweifel werden sich in den nächsten Monaten überall wieder die „Studio-Experten“ die Klinken in die Hand geben. Beispielsweise hat n-tv bereits den ehemaligen Sprecher des Nato-Generalstabes, Oberst Konrad Freytag, verpflichtet.

Zwölf Jahre nach dem Soloauftritt von CNN-Reporter Peter Arnett dürfte es eng werden auf dem Hoteldach in Bagdad. Und sehr gefährlich. Das sieht auch Matthias Fornoff so: „Früher konnten Journalisten relativ sicher aus Kriegsregionen berichten. Heute werden sie selbst zur Zielscheibe.“

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