Medien : Der zu perfekte Verbrecher

Robbie Coltrane spielt im ZDF einen Anwalt auf Abwegen

Thomas Gehringer

Der Glasgower Anwalt Jack Lennox sieht, abgesehen von einigen grauen Haaren, aus wie Fitz. Fitz, das war der legendäre Polizeipsychologe Edward Fitzgerald aus der Serie „Für alle Fälle Fitz“, für den das ZDF in den 90er-Jahren an seinem Sonntagabend viel Kritikerlob bekam. „Cracker“ heißt der englische Originaltitel, und auch in England war der Krimi ein so großer Erfolg, dass er den Hauptdarsteller Robbie Coltrane auf die Besetzungsliste von zwei Bond-Filmen brachte, außerdem trat er als zotteliger Wildhüter Hagrid in den Harry-Potter-Film auf. Mit dem Anwalt Jack Lennox wurde Coltrane jetzt eine Figur auf den Leib geschrieben, die an seine Paraderolle erinnern sollte.

Lennox ist genauso intelligent und hochfahrend wie Fitz. Allerdings verspielt er nicht sein Geld, wie Fitz es tat. Von der Dummheit seiner kriminellen Klienten gleichermaßen genervt wie vom Alltag an der Seite seiner Frau Gail, einer erfolgreichen Politikerin, vertreibt er sich die Zeit damit, geniale Pläne für Raubüberfälle zu entwerfen.

Doch die Geschichte, die in den beiden Folgen „Jack Lennox“ erzählt wird, überzeugt nicht immer. Wurde bei Fitz noch viel Wert gelegt auf die Täterfiguren und ihre Motive als „Gegenspieler“ des Psychologen, so werden die Kriminellen hier – mit einer Ausnahme – als Idioten dargestellt. In „Jack Lennox“ dreht sich alles um eine Dreiecksbeziehung: Die Ehefrau des Anwalts flüchtet sich in eine Affäre mit Polizeioffizier Richards, der bei Lennox die Überfall-Pläne findet und nun den Ganoven dingfest machen will. So muss man das ZDF für seinen Sonntagabend loben, an dem als Ausnahme im deutschen Fernsehen noch hoch klassige, fiktionale Stoffe aus dem Ausland zu sehen sind. Auch wenn Jack Lennox den Vergleich mit Fitz nicht ganz standhält.

„Jack Lennox“: heute und am 15. Februar um 22 Uhr im ZDF

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