Medien : Derricks Enkel

Für Peter Kremer beginnt am Freitag die letzte Staffel als Kommissar „Siska“, sein Nachfolger ist schon gefunden: Wolfgang Maria Bauer

Thilo Wydra

Am Freitagabend ist beim ZDF Krimi-Zeit. Um 20 Uhr 15 – immer, wenn bei der Konkurrenz die „Tagesschau“ gerade beim Wetter ist – schickte „Derrick“ 25 Jahre und 281 Folgen lang den Harry schon mal vor, um, Sie wissen schon, den Wagen zu holen.

Als „Derrick“ vor fünf Jahren ging, im Oktober 1998, da hatte Helmut Ringelmann, der schon in den 60ern den legendären „Kommissar“ mit Erik Ode produziert hatte, bereits einen Nachfolger parat: Peter Kremer war „Siska“. Kremer war damals genau 40 Jahre alt und im Fernsehen ein Unbekannter. Die tonnenschwere „Derrick“- Bürde lastete auf der neuen Reihe, doch der Neue schlug sich wacker, die neue Serie ist nach fünf Jahren auch in Dutzende von Ländern verkauft.

Nun läuft heute die letzte Staffel neuer Folgen mit Peter Kremer an, denn der will nicht mehr „Siska“ sein. Routine habe sich eingeschlichen. 56 Folgen lang hat er den Münchner Ermittler gespielt und wird seinen Ausstand Anfang 2004 geben. Dann übernimmt ein Neuer, und den hat Produzent Ringelmann schon gefunden: Wolfgang Maria Bauer, 40 Jahre alt, und bereits bei zwei düsteren „Siska“-Gastrollen zu sehen. Da sind sich Kremer und sein Nachfolger schon begegnet, ohne zu wissen, dass es einmal so kommen wird. Bauer, der die letzten drei Jahre am Heidelberger Theater Regie führte, selbst Stücke schreibt und sowohl im Fernsehen als auch auf der Bühne spielt, er konnte sich nie auf nur einen Beruf festlegen. „Jeder dieser Berufe birgt ja eine andere Art Innerlichkeit“, sagt er. In „Romeo und Julia“ stand er ebenso auf der Bühne wie in „Dantons Tod“, „Die Räuber“ hat er ebenso inszeniert wie „Hamlet“. Für seine Theaterarbeiten gab es bereits ein halbes Dutzend Preise. Jetzt „Siska“: nur noch eine Rolle, drei Wochen im Monat vor der Kamera stehen. Das diametral Entgegengesetzte. Druck empfinde er bei alledem weniger, sagt er, er könne sich viel eher daran erinnern, wie er „früher nach ,Derrick’ nie einschlafen konnte, ich war ja noch ein Bub“.

Auf Wolfgang Maria Bauer wurde Helmut Ringelmann, 77, im Theater aufmerksam, und wusste sofort, dass er Kremers Nachfolger sein würde: „Weil die Ausstrahlung da ist“, sagt der weißhaarige Produzent mit der getönten Brille, der selbst schon zur Institution geworden ist. Von Visionen spricht er durchaus, als es um seine Freitags-Serien geht, von Konzept der Kontinuität, und dass Serien wie „Derrick“ und „Der Kommissar“ „dem Ausland ein realistisches Bild der Deutschen wiedergeben“ würden. Sein Rezept ging und geht auf, seitdem er mit dem „Kommissar“ 1968/69 begann. Zuvor schon produzierte er etwa den ZDF-Dreiteiler „Babeck“ mit Curd Jürgens.

Wolfgang Maria Bauer wird voraussichtlich am 2. April 2004 als „Siska“-Nachfolger im ZDF auf Sendung gehen, die Dreharbeiten für die 57. Folge, seine erste, beginnen nun in München.

„Siska“: 20 Uhr 15, ZDF

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