Design : Karl Lagerfeld in Größe XXL

Eine vierstündige Dokumentation über Karl Lagerfeld auf Vox bringt noch ein paar hübsche Anekdoten.

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Karl Lagerfeld. Foto: Vox
Karl Lagerfeld.Foto: Vox

Seine Mutter fürchtet das Schlimmste. Während ihrer Schwangerschaft besucht sie eine Wahrsagerin und die prophezeiht, dass das Kind einmal Bischof wird. „Alles, bloß das nicht“, habe seine Mutter damals gesagt, erinnert sich ihr Sohn heute. Bischof ist er nicht geworden – aber Papst. Modepapst.

Karl Lagerfeld liebt solche Anekdoten. Mode ist Inszenierung, und diese Kunst beherrscht er perfekt. Er selbst hat sich zu einer der weltweit bekanntesten Marken stilisiert. Wie, das erzählt die Dokumentation „Karl Lagerfeld. Mode als Religion“, die Vox am Samstagabend in einer XXL-Länge von vier Stunden zeigt. Begleitet wird der Designer darin bei Vorbereitungen zu Modeschauen in Paris, New York und Schanghai, Musen wie Linda Evangelista, Claudia Schiffer und Inès de la Fressange werden interviewt, Kundinnen öffnen ihre Kleiderschränke voller Haute-Couture-Kleider. Spannend ist, wenn Lagerfeld sich und seine Branche reflektiert: „Wir machen ein Produkt, das keiner braucht. Man kann ohne es leben. Man muss es also so hinkriegen, dass die Leute bereit sind, sich dafür zu ruinieren, obwohl es unnötig ist.“

Lagerfeld hat es hingekriegt. Weil er eben nicht nur Kleider verkauft, sondern ein Kunstwerk, dessen wesentlicher Teil er ist. Dabei wollte der Designer, der in Hamburg als Sohn des Hamburger Glücksklee-Kondensmilch-Fabrikanten Otto Lagerfeld aufwuchs, als Kind eigentlich Karikaturist und Illustrator werden. Bis er 1954 einen Modezeichenwettbewerb gewann. Er arbeitete für das Modehaus Balmain, später für andere große Marken wie Chloé, Fendi und heute noch immer für Chanel. Auch eine Linie unter seinem eigenen Namen gibt er heraus, dennoch versichert er: „Was mir keiner glaubt: Ich habe zero Ego.“ Auch so eine hübsche Anekdote.

„Karl Lagerfeld. Mode als Religion“, Vox, Samstag, 20 Uhr 15

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