Deutsch-deutsche Grenze : Wandern im wilden Deutschland

In fünf Etappen wanderte Andreas Kieling, der 1976 unter abenteuerlichen Umständen selbst aus der DDR floh, den ehemaligen Todesstreifen vom tschechischen Dreiländereck bis zur Ostsee hinauf: 1400 Kilometer. Die Natur war dort 40 Jahre weitgehend ungestört.

Simone Schellhammer
Kieling
Andreas Kieling -Foto: ZDF

Er ist mit Grizzlys und Krokodilen getaucht, er lebte sieben Monate am Yukon River im Zelt bei minus 30 Grad, und 2008 erhielt er als erster Deutscher den „Panda Award“, den Oscar der Tierfilmer. Andreas Kieling ist auf allen Kontinenten unterwegs auf der Suche nach den exotischen Tieren. Seine „überraschendste und emotional bewegendste Expedition“ machte der 50-Jährige allerdings dieses Jahr in Deutschland, entlang der früheren deutsch-deutschen Grenze.

In fünf Etappen wanderte Kieling, der 1976 unter abenteuerlichen Umständen selbst aus der DDR floh, mit seiner Hündin Cleo den ehemaligen Todesstreifen vom tschechischen Dreiländereck bis zur Ostsee hinauf: 1400 Kilometer. Die Natur war dort 40 Jahre weitgehend ungestört, so dass sich eine erstaunliche Artenvielfalt und seit dem Mauerfall ein ungewöhnliches Naturschutzgebiet entwickelt hat, das sich heute „Grünes Band“ nennt. Nachdem er in den ersten drei Folgen unter anderem rumänische Wasserbüffel trifft, schlafende Fledermäuse in einem alten Erzstollen entdeckt und im Schwarzen Moor mit den Rhönschafen spricht, gelangt Andreas Kieling im vierten Teil, am 29. Oktober, schließlich auch nach Berlin, wo er im Garten der Kanzlerin einen Fuchs sucht und auf dem Schöneberger Südgelände ein erstaunliches, sonst nur in den Tropen lebendes Insekt fängt: eine Gottesanbeterin. Neben den Tieren und den Landschaften versucht die Reihe auch etwas über die Menschen zu erzählen, die entlang der ehemaligen Grenze leben.

Nur sieben Wochen hatte das Filmteam Zeit für die gesamte Strecke. Vieles wird nur angerissen oder dem Diktat des Unterhaltungsfernsehens geopfert. Ein echter Tierfilm über das „Grüne Band“, sagt Kieling, hätte mindestens drei Jahre gedauert. Bemerkenswert immerhin: die prachtvollen Luftaufnahmen und die Achtsamkeit Andreas Kielings, der nicht nur Bäumen und Tieren, sondern auch Menschen mit Freundlichkeit und Respekt begegnet.

„Mitten im wilden Deutschland“, 26. bis 30. Oktober, 20 Uhr 15, Arte

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