Medien : Deutsch lernen beim „Tatort“

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Von Katja Guttmann

Jörg Pilawa wird sich bei einem Besuch in den USA keineswegs vor zahlreichen Autogrammjägerinnen schützen müssen. Auch die Mainzelmännchen werden die Pokemons auf den Taschen der Schulkids nicht so schnell vertreiben. Trotzdem: Der deutschsprachige Kanal German TV hat seit vier Wochen Einzug in ausgewählte US-Wohnzimmer gehalten, und der Musikantenstadel wird dort, wenn alles nach Plan läuft, zu einer festen Größe werden.

Zunächst einmal ist Geduld für die Macher von German TV angesagt: Erst mal „abwarten, ob die Preise noch heruntergehen“, will zum Beispiel der Afroamerikaner Wendell Gault, ein eingefleischter New Yorker und Deutschland-Fan. Er mag das Angebot des 24-Stunden-Programms, das sich aus dem Besten von ARD, ZDF und Deutscher Welle speist. Gault lernt gerade Deutsch. Die ständige Berieselung würde ihm helfen, sich schnell zu verbessern. Ganz billig ist die Angelegenheit nicht: 400 Dollar für eine Satellitenschüssel, plus monatliche Gebühren von 15 Dollar, müssen die Liebhaber des deutschen Fernsehens hinlegen. Das ist ganz schön happig, wenn man bedenkt, dass es für das gleiche Geld im US-Standardkabel-Programm 30 verschiedene Programme gibt, viele allerdings mit lästigen Werbeunterbrechungen. Davon werden German TV-Gucker verschont.

Bis sich der Markt nach Gaults Vorstellungen einpendelt, schaut er sich Familiensendungen im Foyer des Deutschen Hauses an, unweit des UN-Gebäudes in New York. Generalkonsul Bernhard von der Planitz hat Wert darauf gelegt, die richtige Connection zum deutschen Fernsehen zu haben. Dort kann sich Wendell Gault in einen gemütlichen Sessel fläzen und „Die Schwarzwaldklinik“ oder „Tatort“ auf einem Flachbildschirm anschauen. Dr. Brinkmann erklärt gerade einem Patienten die Optionen. „Ich finde das sehr viel unterhaltsamer, als trockene Grammatik zu studieren. Das funktioniert dann auf eine intuitive Weise“, sagt Wendell und hält den Kopf schief, um zu verstehen, um was es gerade geht.

Knapp 1000 Abonnenten hat das Deutsche Fernsehen in den USA in den ersten vier Wochen gewinnen können. Damit sich der Kanal selbst trägt, hat Programmgeschäftsführer Wolfgang Krüger ein Ziel von 70 000 Abonnenten genannt. In sieben Jahren soll das erreicht sein. Leider gibt es keine technische Möglichkeit zu messen, welche Sendungen aus dem Angebot gut ankommen oder verschmäht werden. Da muss sich German TV auf Zuschauerbriefe verlassen. „Ich hatte noch keine Zeit, mir German TV zu bestellen, werde das aber so bald wie möglich nachholen“, sagt William Hetzler, Deutsch-Amerikaner und Organisator der jährlichen deutsch-amerikanischen Steuben-Parade auf der Fifth Avenue in New York. Hetzler ist Geschäftsmann mit Verbindungen nach Deutschland. So ist es für ihn fast patriotische und ökonomische Pflicht, dem deutschen Fernsehen in den USA zum Triumph zu verhelfen. Er liebt Talkshows, Nachrichten und verfolgt die Fußball-Bundesliga. „German TV wird Erfolg haben, da bin ich mir sicher. Sie müssen es richtig vermarkten, an Universitäten und Schulen.“

Einer Untersuchung zufolge gibt es rund eine Million Haushalte in den USA, in denen zumindest eine Person deutsch spricht. In Florida harren Tausende von deutschen Häuserbesitzern im Ruhestand jeden Winter darauf, die Spiele von Borussia Dortmund und Bayern München live mitzubekommen. Das kostet trotz Abo fünf Dollar extra. „Meine Kinder schauen am liebsten die Sendung mit der Maus“, sagt Elisabeth Schmitt. „Ich selbst mag die Nachrichten und Hintergrundberichte. Es ist erfrischend, die europäische Sichtweise im Gegensatz zu der amerikanischen zu sehen.“ Die deutsche Familie, die seit drei Jahren in New Jersey lebt, hat sich die Schüssel schnell installieren lassen, trotz der hohen Kosten. „Das mit der Sprache wird langsam happig.“. Elisabeth Schmitt sieht German TV als beste Quelle, die Zweisprachigkeit ihrer Sprösslinge zu erhalten.

Mehr zum Thema:

www.germantv.info

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