DEUTSCH ODER ENGLISCH : „Beef!“ und „Rindfleisch!“

Gruner und Jahr bringt drei neue Magazine auf den Markt. Keiner der Titel ist auf Deutsch. Warum kann man ein Magazin nicht "Rindfleisch!" nennen? Ein Kommentar von Joachim Huber.

Joachim Huber

Ein, wenn nicht das Merkmal des gut verdienenden Mannes in Deutschland ist sein Hang zum Globalen. Er kennt sich aus im Fern und Jetzt, und weil er sich auskennt, streut er Anglizismen um sich herum (einzige Ausnahme: FDP-Chef Guido Westerwelle). Dieses Alleinstellungsmerkmal befördert der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr mit drei neuen Heften: „Beef!“, „Gala Men“, „Business Punk“. Kein Titel in Deutsch, eine Schande, und ein weiteres Argument für all jene, die den Aussagesatz „Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch“ ins Grundgesetz wuchten wollen. „Beef!“ wäre dann „Rindfleisch!“ am Kiosk. Da fängt das Problem schon an. Ein derartiger Titel klingt roh, fast brutal, blutig. Da schwingt nichts Freudiges mit, das trifft den leichten Angeberton des neuen Magazins nicht, in diesem Schlachthaus öffnet sich – Obacht! – kein Assoziationsraum.

„Business Punk“ ist schlicht unübersetzbar. „Geschäfts-Was“ und ähnlich Verkrümmtes, furchtbar, nur furchtbar. Entweder man macht eine Zeitschrift mit diesem Titel oder man lässt es, da liegt der Verlag Gruner + Jahr richtig. Der Verdacht kommt auf, die deutsche Sprache funktioniere nur in so exakt kartierten Grenzen, dass sich deren Benutzer schnell lächerlich machen kann. Global und deutsch und Mann, das geht nur in English.

Oder ist das alles verklemmt, ängstlich? Geht „Rindfleisch!“ doch? Wer zu den Frauentiteln mit den hohen Auflagen hinüberschielt, dem knallt die „Brigitte“ ins Gesicht, die „Bunte“, das boomende, Entschuldigung, das immer sich immer besser verkaufende „Landleben“. „Park Avenue“, „Vanity Fair“, alles ist gescheitert. Ist die deutsche Frau eher Mutti als Sexy Lady? Ganz falsch. Frauen in Deutschland lesen, in der globalen Perspektive, „Vogue“ und „Elle“ – sie sind halb Französinnen, halb Amerikanerinnen. Damit ist zwar kein einziges der angerissenen Deutschprobleme gelöst, immerhin ist Gerechtigkeit für die Zeitschriftentitel und zwischen den Geschlechtern hergestellt.

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