Deutsch-polnischer "Polizeiruf" : Haltet den Autodieb!

Wenig einfallsreich: Der deutsch-polnische „Polizeiruf 110“ muss den tödlichen Ausgang eines Autodiebstahls aufklären.

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Der Macho und die Mutter: Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) und Olga Lenski (Maria Simon) stehen beim Teambuilding noch am Anfang.
Der Macho und die Mutter: Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) und Olga Lenski (Maria Simon) stehen beim Teambuilding noch am Anfang.Foto: RBB/Christoph Assmann

Gibt es nach Manfred Krug und Charles Brauer bald wieder ein singendes Kommissaren-Duo auf dem Sonntagskrimi-Platz? Den Anfang dafür macht Maria Simon im „Polizeiruf 110“ des RBB mit dem deutsch-polnischen Ermittlergespann Olga Lenski und Adam Raczek, in dem sie für ihre Tochter Lama ein Lied der Band „Ret Marut“ singt, in der sie mit ihrem Mann Michael Lade musiziert. Die Band von „Polizeiruf“-Partner Lucas Gregorowicz heißt „Bad Boy Boogiez“, im Film „Soul Kitchen“ von Fatih Akin hat er seine musikalischen Qualitäten schon unter Beweis gestellt. Folgt also bald ein Duett mit Maria Simon? Im Gegensatz zum Thema des „Polizeirufs“ wäre das jedenfalls mal was Neues, denn der dreht sich um ein wenig innovatives Dauerbrennerthema: den Diebstahl deutscher Autos, die dann nach Polen geschafft werden.

In Berlin wird eine Edelkarosse gestohlen und soll über die polnische Grenze Richtung Osteuropa verschoben werden. Die junge Polizistin Katarzyna Ludwinek (Anna Ewelina), die bei der deutschen Polizei hospitiert, verfolgt das gestohlene Fahrzeug in Grenznähe, als dessen Fahrer abrupt in die Bremsen tritt. Der Streifenwagen rast in den SUV, die Polizistin stirbt wenig später am Steuer des Kleinwagens. Der Fahrer des gestohlenen Autos flüchtet in die Felder.

Erster am Tatort ist ein Mitglied der „Bürgerwehr Friedensbrücke“. Diese ist stolz darauf, dass die Kriminalität im Grenzgebiet massiv gesunken ist, seitdem die Männer ihre Patrouillendienste absolvieren. Zwischen der Bürgerwehr und der Polizei gibt es eine Sicherheitspartnerschaft, doch von der Routinekontrolle durch die junge Polizistin wusste sie nichts. Bürgerwehrchef Lutz Piatkowski (Thomas Loibl) hat noch versucht, die Frau aus dem Auto zu befreien. Warum ihr Kollege Udo Lehde (Oliver Bröcker) erst später zu Fuß eintrifft, bleibt zunächst im Dunkeln. Doch für die junge Polin kommt jede Hilfe zu spät, sie erliegt ihren Verletzungen.

Ein neues Kapitel im deutsch-polnischen Miteinander schlägt dieser „Polizeiruf“ nicht auf. Bereits in der Auftaktfolge „Grenzgänger“ im Dezember durfte ein halbgarer Witz zu polnischen Autodiebstählen in Deutschland nicht fehlen – streng ironisch, versteht sich. Dieses Mal wird aus dem Witz Ernst. Beim Autokurier handelt es sich überdies um einen Ukrainer, der im Auftrag eines russischen Kriminellen handelt, der gute Beziehungen Richtung Berlin unterhält. Mehr Klischee geht kaum.

Der Täter ist von Anfang an bekannt, auch dass die Mutter von Bürgerwehrchef Lutz Piatkowski ihn findet und versteckt, wird vor den Zuschauern nicht geheim gehalten. Michael Vershinin, der das Drehbuch geschrieben hat, und Regisseur Stephan Rick lassen sich überhaupt sehr viel Zeit, um dem Offensichtlichen noch weitere Ebenen folgen zu lassen. Dem Zuschauer wird durchaus etwas Geduld abverlangt, erst zum Schluss nimmt der Krimi Fahrt auf.

Die Ermittler schärfen ihr Profil

Die zweite Episode wird so vor allem dafür genutzt, die Profile der Ermittler zu schärfen. Adam Raczek agiert mit ausgesuchter Herablassung und Übellaunigkeit. Auch für den einen oder anderen Macho-Spruch ist er sich nicht zu schade. Olga Lenski bleibt hingegen diplomatisch, selbst als sie feststellt, dass Raczek ihr wichtige Informationen vorenthält. Ihre Doppelbelastung als Kommissarin und alleinerziehende Mutter fordert sie stark, doch sie behält ihren Humor: „Wie machen Sie das mit den Kindern?“, fragt sie in einer Szene ihren polnischen Kollegen. Und lacht, als Lucas Gregorowicz als Adam Raczek antwortet: „Ich bin Pole, das macht meine Frau.“

Dieser Dialog gehört noch zu den starken Momenten des „Polizeirufs“. Doch warum braucht es einen Revierhund namens Speedy, der die Stimmung auflockern soll, indem er Harzer Käse frisst? Noch nerviger ist es allerdings, dass die Polizei über einen Informanten mit beinahe hellsichtigen Fähigkeiten verfügt. Nur weil es sich bei dem geklauten Auto um einen SUV gehandelt hat und die Besitzer während des Diebstahls im Urlaub weilten, weiß er sofort, welcher Bösewicht hinter allem steckt. Dem deutsch-polnischen „Polizeiruf“ ist zu wünschen, dass er sich in den kommenden Episoden traut, die kontroversen aktuellen Themen im Verhältnis zwischen Deutschen und Polen anzufassen.

„Polizeiruf 110: Der Preis der Freiheit“, ARD, Sonntag, 20 Uhr 15

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