Medien : Deutsch-russisches Gesprächsforum: Eine Frage der Selbstkritik

Alexander Pajevic

Die Veranstaltung stand unter einer paradoxen Fragestellung, wie Moderator Klaus Bresser selbst bemerkte. "Erschweren Medien den Dialog in Europa?" lautete das Thema des neunten deutsch-russischen Gesprächsforums am Montag abend in Berlin. Paradox deshalb, weil sich Journalisten selbst ja als Mittler sehen die den Dialog eher fördern als verhindern. Doch der ehemalige ZDF-Chefredakteur Bresser wollte die Medienberichterstattung über die Zustände in Russland kritisch beleuchtet wissen und hatte dafür die russischen Journalisten Jelena Botscharowa und Alexej Wenediktow sowie den Leiter des ZDF-Büros in Moskau, Dirk Sager, auf dem Podium versammelt. Einleitend zitierte Bresser Puschkin, der einst bemerkte: "Gewiss verachte ich mein Vaterland von Kopf bis Fuß. Aber es ärgert mich, wenn ein Ausländer dieses Gefühl mit mir teilt."

Und als hätte er damit ein Motto bestimmt, entwarfen Botscharowa, Parlamentskorrespondentin der Zeitung "Nowaja Gaseta" und Wenediktow, Chefredakteur des unabhängigen Radiosenders Echo Moskau, ein verheerendes Bild der russischen Medienlandschaft, die sich kaum der Einflussnahme der Regierung oder der finanzstarken Oligarchen zu ihren Zwecken entziehen konnten. Das taten sie aber nur, um dann eben doch darauf zu verweisen, dass sie selbst weitgehend unabhängig und frei seien.

Sager trat dagegen als Unkenrufer auf, der die besorgniserregenden Zustände im Land anprangerte. Und so verließ die Diskussion die eigentliche Fragestellung, um schließlich nur noch den Zustand der Demokratie in Russland im allgemeinen und dem Umgang mit Medien im besonderen zu behandeln.

So seien Journalisten eben, hatte Wenediktow schon zu Beginn konstatiert. Sie nähmen sich eben bevorzugt der Themen an, die sie auch selbst berührten. Und wenn man sich das Bild von Deutschland in den Medien betrachte, so möchte man die Hände über dem Kopf zusammenschlagen: Korruption, Skandale und Skiläufer, die ständig von irgendwelchen Lawinen verschüttet werden.

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