Medien : Deutsche Krankheit

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Im Englischen gib es den Begriff „self fulfilling prophecy“, was bedeutet, ich muss mir nur oft genug sagen, dass über meinem Großhirn neue Haare wachsen – dann sprießen sie auch. Leider funktionieren Vorhersagen dieser Art nur im negativen Sinn: Kündige ich mir Haarausfall an, wird sich dieser über kurz oder lang einstellen. Nämliches passiert in der deutschen Wirtschaft und Werbung.

Seit 1998 reden schwarze Gazetten und Sender unsere Wirtschaft in den Keller. Weil die Weltlage mitspielt, hängen wir tatsächlich am Fliegenfänger. Außerdem bewegt des Kanzlers Politik der ruhigen Hand zwar die Gemüter, ansonsten aber nur vereinzelte Bierflaschen. In der Werbung nennen wir die unablässige Verbreitung bestimmter Botschaften Penetration, was durchaus im Wortsinn ist. Wenn etwa „Thomy’s“ wieder und wieder Spots mit den fußkranken Heiligenschein-Kochmützen sendet, handelt es sich tatsächlich um ein gewaltsames Eindringen – in diesem Fall in die mentale Privatsphäre. Zum Glück schaden die Filmchen nur den triefigen Saucen. Das Gift der Unionspolitiker aber penetriert die gesamte Wirtschaft. Und wenn hinterher die Roten sauertöpfig von Altlasten sprechen, heißt das nur, wir sind schon seit Jahren vergiftet.

Der Zwang, die Schuld für Missstände bei anderen zu suchen, ist bei uns besonders beliebt, weshalb man das auch „Deutsche Krankheit“ nennen kann. Zwar trifft sie in erster Linie sozial Schwache. Aber immer häufiger andere, etwa Leo Kirch. Der wollte unbedingt, dass sein Spezi Edmund Stoiber, also die bayerische Kampftaube, in den Kanzlerbau zieht. Also ließ er die deutsche Wirtschaft von seinen Sendern so kaputt prophezeien, dass sich die düsteren Voraussagen für sein Imperium erfüllten: „self fulfilling prophecy.“ Reinhard Siemes

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