Medien : Deutsche Spiele im Free-TV

ARD, ZDF, Premiere zeigen Fußball-WM 2010

Joachim Huber

Auch die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika läuft weitgehend im Free-TV. Das Exekutivkomitee des Internationalen Fußball-Verbandes Fifa vergab am Mittwoch in Frankfurt/Main 46 der 64 Spiele an ARD und ZDF. Darunter sind die maximal sieben Spiele der deutschen Nationalmannschaft, falls sie sich für die Titelkämpfe qualifiziert und ins Finale vordringt, das Eröffnungsspiel, drei der vier Viertelfinals, die beiden Halbfinals und das Endspiel. Der Preis für das Rechtepaket dürfte bei 180 Millionen Euro liegen.

Die übrigen 18 Spiele werden exklusiv beim Pay-TV-Sender Premiere gezeigt, der damit alle 64 Partien live übertragen wird. ARD und ZDF werden über die 18 Spiele, die nur Premiere live zeigen wird, zeitversetzt berichten. Im Gegensatz zur WM 2006, bei der ARD/ZDF 48 Spiele und der Privatsender RTL acht Partien zeigen dürfen, hat sich für 2010 die Marge der Spiele im Free-TV um zehn Begegnungen verringert – Premiere triumphiert.

Die Fifa hat ohne Agentur alle europäischen Rechte direkt an die fünf großen Fußball-Märkte Deutschland, Großbritannien, Spanien, Italien und Frankreich sowie für Rest-Europa an die Europäische Rundfunk-Union (EBU) vergeben. Der Weltverband kassiert dafür insgesamt rund eine Milliarde Euro und damit doppelt so viel wie für die Fernsehrechte an der WM im nächsten Jahr in Deutschland.

Während sich die hochrangigen Vertreter von ARD, ZDF und Premiere nach der Vergabe wie Sieger feierten, verließen die Fifa als eigentlicher Gewinner und der „Rechteverteidiger“ Infront als großer Verlierer den Verhandlungstisch. Die Schweizer Agentur um ihren Manager (und ARD-Experten) Günter Netzer ging im Kampf der 22 Bieter um die europäischen Rechte leer aus, weil sich die Fifa in Eigenregie und ohne Zwischenhändler direkt mit den TV-Anstalten einigen wollte. „Der Entschluss war einstimmig“, sagte DFB-Chef Gerhard Mayer-Vorfelder.

An Prozedere und Ergebnis zeigt sich der Wille des Weltfußballverbandes, nicht das höchste Angebot, das offenbar von der Agentur Infront kam, zu ziehen, sondern das sicherste – bei den öffentlich-rechtlichen Sendern muss sich die Fifa keine Sorgen um die Überweisung der horrenden Summen machen.

Infront hatte die Übertragungsrechte für die Weltmeisterschaften 2002 und 2006 für 2,8 Milliarden Franken erworben und an die Sender weiterverkauft. 2002, als Infront noch zur später Pleite gegangenen Kirch-Gruppe gehörte, musste der Verband befürchten, in diese Insolvenz hineingezogen zu werden. Das habe auch die jetzige Entscheidung beeinflusst, hieß es aus Verhandlungskreisen, zumal der heutige Fifa-Präsident Joseph Blatter die schwierige Situation aus nächster Nähe mitlebt habe.

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