Medien : „Deutsche und Fahnen? Normal“

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Sie stehen Schlange. Schon seit zwanzig Minuten – und das schon sechs Stunden vor Anpfiff des WM-Spiels. Fotografen, Printjournalisten, Kameraleute – sie alle müssen durch einen Metalldetektor und ihre Ausrüstung durchleuchten lassen. Erst dann dürfen sie ins Medienzentrum vorm Berliner Olympiastadion. Das gilt auch für Roger Cohen aus New York – ein Weltstar unter Journalisten.

Der gebürtige Londoner schreibt für die „New York Times“ und den „International Herald Tribune“. Er verantwortete die Kriegsberichterstattung in Bosnien, war Korrespondent in Paris, London, Brüssel und Rom und Chef des Berliner Auslandsbüros der „New York Times“. Natürlich spricht er Deutsch. Im Moment schreibt er WM-Kolumnen.

Deutsche Medienstars gehen hier an der Sicherheitsschleuse heute nicht vorbei. Weder Gerhard Delling noch Reinhold Beckmann. Und Roger Cohen bleibt unerkannt. „Ich weiß nicht, seit wann man hier in Deutschland der Meinung ist, Chili con Carne sei ein landestypisches Gericht“, sagt er als Erstes auf die Frage, wie ihm die Weltmeisterschaft bisher gefällt. „Überall gibt es das – es ist niederschmetternd.“

Cohen interessiert sich vor allem für das Drumherum bei der WM. Die Fans, die Stimmung beim Public Viewing, die Deutschlandfahnen an den Autos. „Ich finde es ganz normal, dass Deutschland jetzt Flagge zeigt.“ In den USA und in Europa sei viel über die Identitätsfindung der Deutschen nach dem Dritten Reich geschrieben worden – und über die „neue Leichtigkeit“ seit der WM. „Die Geschichte bleibt, wie sie ist,“ sagt Cohen. „Jemand, der 1980 geboren wurde, muss sich aber nicht mehr schuldig fühlen. Doch er muss die Geschichte immer im Bewusstsein behalten.“ dal

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