Deutsche Welle : Sauerkrauts and Sausages

Deutsche Welle baut Englisch aus und Deutsch ab.

Joachim Huber

Bei der Deutschen Welle (DW) hängt der Haussegen schief. Vor allem die Mitarbeiter, die für die deutschsprachigen TV-Angebote arbeiten, fürchten um ihre Zukunft, um ihre Arbeitsplätze. Nach den Erkenntnissen der DW-Spitze, aufgeführt in der „Aufgabenplanung 2010–2013“, sind nämlich deutschsprachige TV-, Radio- und Internetangebote auf Grund der rapide wachsenden Verbreitung von digitalem Satellitenempfang und Internetzugängen „zunehmend verfügbar“; das interne Papier weist hier beispielsweise auf die Mediatheken von ARD und ZDF hin, DW-TV selbst verfügt über nur ein winziges Video-on-demand-Angebot.

Die politischen, ökonomischen und technologischen Veränderungen würden eine Neuausrichtung des deutschen Auslandsrundfunks erfordern, „wenn Deutschland den Anschluss auf den globalen Medienmärkten nicht verlieren will“. Die steuerfinanzierte Deutsche Welle möchte, trotz schmaler Ressourcen, mit den „Big Playern“ wie CNN, BBC World oder Al Dschasira mithalten. Nur mit deutlich ausgeweiteten Angeboten in englischer Sprache – der „lingua franca“ der DW-Zielgruppen – könne die DW erfolgreich um die Aufmerksamkeit der angestrebten Zielgruppen werben. Die Aktualität von DW-World.de/Englisch müsse verstärkt, der englischsprachige Anteil von DW-TV deutlich erhöht werden.

Nach einem vergleichbaren Muster der Asien-Versorgung, die arabischsprachige Sendezeit von DW-TV Arabia soll von acht auf 24 Stunden hochgefahren werden, soll „auch in anderen Weltregionen der Englisch- oder regionalsprachige Anteil erhöht und der Deutschanteil angepasst werden“; wobei der Begriff „angepasst“ euphemistisch zu verstehen ist – im Vergleich zum multilingualen Ansatz für eine weitere Regionalisierung der DW-Programme wird er reduziert. Laut der „Vision DW 2013“ bleibt aber „eine weitere wichtige Aufgabe die Förderung der deutschen Sprache und Kultur“. Mit ihren deutschsprachigen Angeboten richte sich die Deutsche Welle an Deutsch Lernende und an Deutschland interessierte Ausländer mit deutschen Sprachkenntnissen in aller Welt.

Passt das zusammen? Die Vermittlung deutscher Sprache und Kultur, wie sie jüngst Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel energisch dekretiert haben, und die Minderung der einschlägigen Angebote auf den DW-Plattformen? Kritiker und Mitarbeiter der Welle bestreiten das.Was der Ausländer über Deutschland und die Deutschen erfährt? Informiert werden soll er „vor allem über Wissenschaft, Technik, Kultur, Umwelt“, Politik und Wirtschaft dürfen sein. DW-Mitarbeiter stellen diese Rangfolge infrage.

Der angestrebte Umbau bei den Programmleistungen wird vor allem DW-TV im Standort Berlin-Wedding betreffen. Beim sogenannten Kick-off zur Umsetzung der neuen Unternehmensziele am Mittwoch wurden verschiedene Arbeitsgruppen benannt. Die Stimmung bei der Veranstaltung nannten Mitarbeiter verhalten bis depressiv. Fernsehdirektor Christoph Lanz, sagten Teilnehmer der Versammlung, habe versucht, die Sorgen zu mindern. Unverändert werde das deutschsprachige Programm die Basis für alle fremdsprachigen Adaptationen bilden. „Der Deutsche ist ein Essential“, wird Lanz zitiert.

Die endgültige „Aufgabenplanung 2010–2013“ soll laut Personalrat dem Rundfunk- und dem Verwaltungsrat im November vorgelegt werden. Das Projekt wird mehr kosten, als der Auslandsrundfunk an Mitteln zur Verfügung hat. Der projezierte Finanzbedarf soll von 2009 (292,7 Millionen Euro) bis 2013 (316,3 Millionen Euro) deutlich steigen. Der jährliche Bundeszuschuss wird in der mittelfristigen Finanzplanung mit 275 Millionen Euro fortgeschrieben. Die neue Zielstellung verlangt ein stetig steigendes Budget, das die Deutsche Welle heute nicht aufbringen könnte. Wie dieses Loch gestopft werden kann, wollte am Donnerstag kein Mitglied der DW-Geschäftsführung beantworten. Joachim Huber

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