Medien : Deutscher Bruce Willis

Trash und Thriller: ProSieben setzt auf eigenproduzierte Action-Formate

Till Frommann

Eine große, bunte Tageszeitung könnte in Großbuchstaben aufmachen: „Mutierte Killerratten greifen Kleinstadt an! Angst und Schrecken in Kornostheim!“ Da sind Ratten, die als gefährliche Plage daher kommen. Da sind Helden, die sich dem in den Weg stellen. Coole Sprüche und Explosionen dürfen auch nicht fehlen. Klingt fast nach amerikanischem Actionfilm. Ist aber eine deutsche Produktion. Privatsender wie ProSieben setzen immer mehr auf aufwändig produzierte Actionmovies wie heute abend „Ratten 2“, vor zwei Jahren „Das Jesus Video“ oder im Dezember den Zweiteiler „Das Blut der Templer“.

Deutscher Action-Thriller, geht das überhaupt? Offenbar ja, vor allem, wenn es Trash-Einschlag hat. Der erste Teil von „Ratten“ war 2001 der erfolgreichste Spielfilm von ProSieben. Ein Jahr darauf wurde er mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet – in den Kategorien „Beste Special Effects“ und „Bester Schnitt“. Den Vergleich mit Übersee-Produktionen will man dabei nicht scheuen. Der Produzent von „Ratten 2“, Christian Becker, sagt: „Wir haben nicht kopiert, sondern die amerikanischen Einflüsse bewusst angenommen und auf deutsche Begebenheiten umgesetzt.“ Es sind Figuren aus Deutschland, und es ist eine deutsche Stadt, die von der Rattenplage heimgesucht wird.

Die Handlung, die Bilder wirken größtenteils aber schon wie made in USA. Die Eröffnungsszene zum Beispiel mit einer Frau in Badewanne und Ratten, die aus Lüftungsgittern ins Wasser fallen. Dazu ein gigantisches Finale. ProSieben ist in dieser Hinsicht nicht unbedingt für besondere Feinfühligkeit bekannt, aber wichtig ist eh’ die Quote mit vier bis fünf Millionen Zuschauern wie bei „Ratten 1“. Das Budget ist mit rund zwei Millionen Euro auch deutlich niedriger, als Hollywood für einen Film ausgibt. Das sieht man den Digitaleffekten an.

Dennoch, Reality-TV läuft nicht mehr so richtig, Melodramen versinken im Mittelmaß, da setzen die Privatsender auf Trashiges wie „Ratten 2 – Sie kommen wieder!“ „Der Weg, den wir damit gegangen sind, ist richtig. Die Zuschauer bestärken uns darin, so weiter zu machen“, sagt ProSieben-Sprecherin Christine Hebeiss. Also mehr Filme mit Schauspielern wie Christian Kahrmann als deutscher Bruce Willis, ohne dass es peinlich wirkt oder besonders Tiefschürfendes zu erwarten ist. „Wir wollten zumindest keinen Film machen, in dem viel diskutiert wird“, sagt Produzent Becker dazu.

Andere Länder ziehen nach. In Italien und Frankreich werden derzeit landestypische Variationen von „Ratten“ geplant. Selbst in Übersee gefiel die Idee. Zwei Produzenten aus den USA besuchten ihren Kollegen Christian Becker in seinem Büro und sahen ein Poster zu „Ratten“. Er zeigte ihnen einen Trailer des ersten Teils, und ein halbes Jahr später kündigten sie auf einer Filmverkaufsmesse ihren Film „Rats“ an. Ein unsagbar schlechtes und mies hergestelltes Machwerk inklusive niveaulosem Drehbuch. Das Handlungskonzept, dass Ratten eine Stadt unsicher machen, lässt sich laut Becker aber nicht schützen. „Immerhin war unsere Idee gut genug, dass sich jemand von ihr inspiriert gefühlt hat.“

Über „Ratten 3“ wird bereits nachgedacht. Außerdem plant die Produktionsfirma, die Hauptcharaktere in einem neuen Film unterzubringen, in denen sie nicht gegen Ratten, sondern eine andere Gefahr ankämpfen müssen. Den Deutschen Fernsehpreis oder Grimme Preis wird man mit solchen Streifen zwar nicht gewinnen, aber es ist immer noch besser als Arbeitslosen-Shows.

„Ratten 2 – Sie kommen wieder!“, ProSieben, 20 Uhr 15

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