Deutscher Fernsehpreis : Dirk Bach wird gewürdigt, Leistungen werden belohnt

Beim Deutschen Fernsehpreis feierte die Szene vor allem sich selbst. Doch die Gäste gedachten auch des kürzlich verstorbenen Entertainers Dirk Bach. Er hätte wohl gewollt, dass trotzdem gefeiert wird.

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Dietmar Bär war Laudator für die besten Schauspielerinnen des Jahres. Der Button an seinem Jackett erinnerte an den verstorbenen Komiker Dirk Bach. Foto: dapd Foto: dapd
Dietmar Bär war Laudator für die besten Schauspielerinnen des Jahres. Der Button an seinem Jackett erinnerte an den verstorbenen...Foto: dapd

Oliver Welke hatte die Linie vorgegeben. Hätte man Dirk Bach gefragt, ob die TV-Welt heute Spaß haben solle, hätte er Ja gesagt, sagte der Moderator der Gala zum Fernsehpreis 2012 am Dienstagabend. Der Schauspieler und Komiker Bach war am Montag in Berlin mit 51 Jahren gestorben, vermutlich an Herzversagen. Welke ist im Brotberuf Moderator der ZDF-„heute show“, da wird immer freitags mit der vergangenen Woche und ihren nicht nur politischen Protagonisten böse abgerechnet. Mit Bach wollte Welke bei Gott nicht abrechnen, aber er nahm den verstorbenen Entertainer als das, was er war: Dirk Bach. „Er hat den Fernsehpreis auch mal moderiert und war besser angezogen als jeder andere vor ihm, sagte Welke vor 1200 Gästen im Kölner Coloneum. Bach hatte sich 2002 in das gleiche Kleid wie Partnerin Sandra Maischberger gezwängt. Einige aus der versammelten Fernsehbranche trugen am Dienstagabend wie die Schauspieler Dietmar Bär und Marie-Luise Marjan einen Aufkleber mit den Worten „Danke Dirk“. Bach sei „ohne Zweifel der größte kleine dicke Schauspieler aller Zeiten“ gewesen, sagte Welke. Man habe mit Bach auf höchstem Niveau lästern können, ein Verlust, der menschlich und künstlerisch nicht zu kompensieren sei.

So sehr die Prominenz aus Fernsehen und Film um einen der ihren trauern wollte, so sehr wollte sie sich selbst an diesem Abend auch feiern, „denn außer uns macht es ja keiner“, wie Moderator Welke anmerkte. 18 Preise standen bei der 14. Vergabe an, die seit 1999 von ARD, ZDF, RTL und Sat 1 verliehen werden.

Deutschlands beste Schauspieler 2012 heißen Wotan Wilke Möhring, Barbara Auer und Ina Weisse. Alle drei erhielten einen der begehrten Obelisken aus Acryl. Der 45-jährige Wotan Wilke Möhring wurde für seine Rolle in dem ARD-Drama „Der letzte schöne Tag“ geehrt. Darin spielt er einen verzweifelten Familienvater, der nach dem Selbstmord seiner Frau alleine für die Kinder sorgen muss. Barbara Auer, 53, und Ina Weisse, 44, wurden gemeinsam als beste Schauspielerin gewürdigt. Sie liefern sich in dem ZDF-Film „Das Ende einer Nacht“ als Richterin und Strafverteidigerin ein hartes Duell. „Man kann die eine nicht ohne die andere loben“, entschied die Jury. Das Justizdrama, in dem Jörg Hartmann einen Software-Millionär spielt, der von seiner Ehefrau der brutalen Misshandlung und Vergewaltigung beschuldigt wird, wurde auch als bester Fernsehfilm ausgezeichnet.

Weitere Trophäen gingen an die Castingshow „The Voice of Germany“ (ProSieben/Sat 1) im Bereich Unterhaltung, den ARD-Mehrteiler „Der Mann mit dem Fagott“ über Musiker Udo Jürgens und in der Kategorie „Beste Information“ an das RTL-Magazin „Stern TV“. Als beste Dokumentation wurde „Nine Eleven – Der Tag, der die Welt veränderte“ (ZDF) ausgezeichnet. Den Ehrenpreis fürs Lebenswerk bekam Moderator und „Wetten, dass..?“-Erfinder Frank Elstner.

Enthüllungsjournalist Günter Wallraff ging hingegen leer aus. Er musste sich mit seiner jüngsten Reportage über den Paketzusteller GLS der ZDF-Reportage „Mr. Karstadt“ über den Investor Nicolas Berggruen geschlagen geben. Als Serie setzte sich der „Der letzte Bulle“ (Sat 1) gegen das ZDF-Vatikanepos „Borgia“ durch. Beim Publikumspreis stand 2012 das beste Morgenmagazin zur Wahl. „Moma – Das Erste am Morgen“ konnte die meisten der 436 000 Stimmen auf sich vereinigen.

„Der Deutsche Fernsehpreis 2012“, ZDF, 20 Uhr 15

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