Deutscher Fernsehpreis : Totmacher, Muntermacher

Die TV-Sender haben ihren eigenen Fernsehpreis ruiniert. Eine neue Auszeichnung ist geplant – nach US-Vorbild.

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Sandra Maischberger moderiert die Fernsehpreis-Gala am 2. Oktober.
Sandra Maischberger moderiert die Fernsehpreis-Gala am 2. Oktober.Foto: dpa

Die Fernsehmacher haben unter den Medienleuten in Deutschland das größte Ego, das größte Sendungsbewusstsein. Trotzdem schaffen sie es nicht, das eigene Medium hochleben zu lassen. Der Deutsche Fernsehpreis, immerhin gestiftet von den großen vier – ARD, ProSiebenSat1, RTL und ZDF –, wird mit der nächsten Verleihung am 2. Oktober abgeschafft. Zugleich wird es möglicherweise eine neue Auszeichnung geben. Die Stifter haben laut einer Pressemitteilung vom Freitag beschlossen, „noch im September dieses Jahres eine Produzentenausschreibung auf den Weg zu bringen“. Dabei sollen Ideen und Konzepte für einen neuen gemeinsamen Preis ab dem Jahr 2015 entwickelt werden, sowie neue Veranstaltungsorte in Köln, respektive Nordrhein-Westfalen geprüft werden. Parallel würden auch Alternativen für Vorauswahl und Preisentscheidung erarbeitet. „Entsprechend wird eine endgültige Entscheidung über einen neuen Fernsehpreis erst nach der Auswertung im kommenden Jahr erfolgen.“ Möglich also, dass der geplante Neuanfang gleich wieder beerdigt wird.

Der Deutsche Fernsehpreis in seiner jetzigen Form besteht seit 1999. Geboren aus der Einsicht, dass die Vorläufer wie „Der goldene Löwe“ (RTL) und der „Telestar“ (ARD) stets von dem Malus begleitet waren, hier würde der jeweilige Sender nur seine jeweiligen Programme und Protagonisten promovieren. Also wurde gehandelt und der Deutsche Fernsehpreis aus der Taufe gehoben, ein Fest des Fernsehens für möglichst alle, die zum Gelingen von Fernsehen beitragen.

Der Fernsehpreis war teuer, die Promis verloren die Lust

Was sich gut anließ, geriet schnell in die Kritik. Der Ausrichter unter den vier Sendern wechselt von Jahr zu Jahr, da war manche Auszeichnung der jeweils zahlenden TV-Anstalt geschuldet, trotzdem fühlten sich die privaten Sender immer nur am Rande mitgeehrt. Die ehrenwerte Ambition, auch die auf dem Bildschirm unsichtbaren Mitarbeiter und Gewerke zu ehren, wurde kleiner und kleiner. Der Fernsehpreis wurde zu einer Leistungsschau der „Fernsehgesichter“. Auch dieser Schwenk brachte nicht mehr Publikum vor die Schirme, in Reaktion wurde die Preisverleihung zwei Tage später als Aufzeichnung im Spätprogramm „versendet“. Das ließ die Zuschauerquoten weiter einbrechen. Schließlich meuterten auch die Promis, die sich Jahr für Jahr in der Betonburg des Kölner Coloneums einfanden. Es war so, dass immer weniger Schauspieler, Moderatoren, Regisseure ihr Gesicht während der stundenlangen Verleihung in die TV-Kameras halten wollten. Nicht zu vergessen: Der Deutsche Fernsehpreis mit seinen ständigen Büros, seinen Jurys, seiner Gala ist teuer. Die Sender verloren nach und nach die Lust, und dass sie sich jetzt gerade noch auf den Versuch eines Neuanfangs verständigt haben, unterstreicht Ratlosigkeit und Frust.

Mögliche Lösung: Zwei separate Feierlichkeiten

Einer aber lässt den Kopf nicht hängen. WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn hat in einem „DWDL“-Interview ausgeführt, was die Zukunft der Auszeichnung sein könnte. „Wir können uns vorstellen, künftig einen Abend für die Fernsehmacher zu veranstalten, der als interne Veranstaltung eine Ehrung für weitaus mehr Preisträger in mehr Kategorien ermöglicht.“ An einem zweiten Abend soll eine TV-Gala folgen, die „das Fernsehjahr Revue passieren lässt und in der weniger Preise als bisher verliehen werden. Da reden wir von Auszeichnungen für Akteure und Produktionen in Kategorien, die für die Zuschauer am interessantesten sind“, erklärte Schönenborn.

Eine solche Zweiteilung in eine TV-Gala einerseits und einen Abend für die Branche andererseits gibt es beispielsweise auch bei den Primetime Emmys, dem amerikanischen Fernsehpreis. Der Emmy wird seit 1949 und in mittlerweile 91 Kategorien vergeben. Der Preis strahlt hell, auch deswegen, weil die US-Fernsehbranche nie Zweifel an der Notwendigkeit gezeigt hat, dass das mächtige Medium einen mächtigen Preis verdient. Auch eine Frage von Selbstverständnis und Selbstbewusstsein.

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