Medien : Deutschland und Israel: Ist schwierig, bleibt schwierig

Malte Lehming

Je langweiliger ein Land, desto mehr erfahren dessen Bewohner über das Ausland. Worüber sollen die Medien sonst berichten? So war es in der Bundesrepublik vor dem Mauerfall. Und in der Schweiz ist es immer noch so, man lese nur die "Neue Zürcher Zeitung". In Israel dagegen ist immer was los. Skandale, Affären und Kriege wechseln einander ab, Ereignisse im Ausland interessieren nur dann, wenn sie einen Bezug zur Region haben. Manchmal drängen sich diese Bezüge derart auf, dass die Zuständigkeitsgrenzen verschwimmen. Das Thema "Neonazis in der Bundeswehr" landet beim israelischen Fernsehen im Ressort Innenpolitik.

Das kann man natürlich beklagen. Deshalb hat das Institut für Auslandsbeziehungen im Auftrag des Bundespresseamtes jetzt den ersten Deutsch-Israelischen Mediendialog in Berlin veranstaltet. Dialog ist immer gut. 40 Journalisten wurden dazu eingeladen. Defizite sollten abgebaut, Verzerrungen benannt werden. Auf beiden Seiten, schreiben die Organisatoren, wirken "kollektive Ängste, Emotionen und Befangenheit".

Das lässt sich auch anders sagen: Die Israelis sind emotional, die Deutschen ängstlich und befangen. Man schreibe über Israel "mit angezogener Handbremse", diagnostiziert ein "Spiegel"-Redakteur. Vorsichtig also, auf keinen Fall hämisch. Die Berichterstattung sei umfangreich, sorgfältig und fair. Ein quantitatives Defizit gibt es nicht. "Deutsche Journalisten", sagt ein Israeli, "zeichnen ein besseres Bild von unserem Land als italienische, französische oder englische."

Die Permanenz jüdischer und israelischer Themen resultiert allerdings auch aus einer gewissen Unsicherheit. In Deutschland hat man es sich angewöhnt, auf alles, was mit Israel, Juden und dem Holocaust zu tun hat, nervös zu reagieren. Das war bei Daniel Goldhagen nicht anders als beim Streit zwischen Ignatz Bubis und Martin Walser. Im Moment ist es so bei Norman Finkelstein. Jude haut Juden: Das gefällt den Deutschen.

Und wie kommt Deutschland in Israel an? Ziemlich schlecht, sagt der Historiker Moshe Zimmermann aus Jerusalem. Auf der Sympathieskala stehen die Deutschen ganz unten, gemeinsam mit den Palästinensern. Bei religiösen Israelis sind die Einstellungen sogar noch negativer. Im Unterschied dazu gibt es aber eine Hochschätzung von Eigenschaften und Produkten, die mit Deutschland assoziiert werden. "Die Haltung der Israelis zu Deutschland ist schizophren."

Fast die Hälfte der ohnehin wenigen Artikel, die in Israel über Deutschland erscheinen, hat mit dem Holocaust zu tun. Ein deutscher Diplomat spricht bedauernd von einem "Imageproblem". Ändern lässt sich das kaum. Praktische Konsequenzen hat das freilich auch nicht. Für Israel ist Deutschland heute nach den Vereinigten Staaten der wichtigste Partner. Und in Deutschland rangiert Israel in der außenpolitischen Prioritätenliste hinter den USA und Russland auf Platz drei. Dialog ist trotzdem gut.

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