Deutschlandfunk überträgt TV-Duell : Abschalten ist nicht

Der Deutschlandfunk überträgt die Debatte zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück, obwohl die Fernsehstationen dagegen sind.

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Der Hörfunk muss dabei sein, sagt Deutschlandradio-Chef Willi Steul.Foto: DLR Foto: Deutschlandradio/Bettina Straub
Der Hörfunk muss dabei sein, sagt Deutschlandradio-Chef Willi Steul.Foto: DLRFoto: Deutschlandradio/Bettina Straub

Die Radiohörer in Deutschland bleiben am Sonntag vom TV-Duell nicht ausgeschlossen. Das Deutschlandradio (DLR) hat sich am Freitag dazu entschlossen, die Debatte von 20 Uhr 30 in seinem Programm Deutschlandfunk zu übertragen. DLR-Intendant Willi Steul sagte laut einer Pressemitteilung: „Das TV-Kandidaten-Duell zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück wird live im Deutschlandfunk übertragen, obwohl die veranstaltenden Sender ARD, ZDF, Pro7, RTL und Phoenix der dringenden Bitte um Ausstrahlung im Hörfunk nicht ausdrücklich zugestimmt haben.“

Steul begründete seinen „Einbruch“ ins Fernsehkartell damit, „die Kanzlerin und ihr Gegenkandidat debattieren öffentlich nur ein einziges Mal in dieser Fernsehsendung. Es handelt sich also um eine herausragende Veranstaltung zur politischen Meinungs- und Willensbildung im Vorfeld der Bundestagswahl, die auch den Menschen zugänglich gemacht werden muss, die nicht die Möglichkeit haben, die Debatte live am Bildschirm zu verfolgen.“ Aus Steuls Sicht treffe dies genau den Kern des Programmauftrags von Deutschlandradio. „Der Beitrag zur politischen Meinungs- und Willensbildung ist die Legitimation der Abgabenfinanzierung.“ Dies sei umso wichtiger vor dem Hintergrund der seit dem 1. Januar 2013 einheitlichen Rundfunkabgabe, die nicht mehr zwischen Radio- und Fernsehnutzern unterscheide. „Diese Entscheidung zur Übernahme des Fernsehtons ist mir nicht leichtgefallen, die übergeordneten Gründe wiegen jedoch schwerer“, sagte Willi Steul.

Die ablehnende Haltung der Fernsehsender fußt auf einer vertraglichen Absprache der Chefredakteure der TV-Stationen, die unisono lautet: Die Sendung sei ausdrücklich als „TV-Duell“ angekündigt, es werde von den Sendern veranstaltet und auch bezahlt. Außerdem sähen sich die beteiligten Privatsender Pro7 und RTL bei einer Radio-Übertragung benachteiligt, weil sie im Vergleich mit der ARD nicht über vergleichbare Ausspielwege im Hörfunk verfügen würden. Um eine Gleichbehandlung aller Radios zu gewährleisten, würde in den (Info-)Programmen der ARD keine Übertragung stattfinden – und wäre damit auch nicht im Deutschlandfunk möglich. Eine Ausstrahlung des TV-Duells im Hörfunk kann es nach Meinung der Fernsehverantwortlichen erst nach Sendeschluss um 22 Uhr in ARD, ZDF, Pro7, RTL und Phoenix geben.

Beim TV-Duell 2009 hat der Deutschlandfunk verzichtet

Beim Aufeinandertreffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem SPD-Herausforderer Frank-Walter Steinmeier 2009 war die Exklusivität für das Fernsehen gegeben. Auch da hatte das Deutschlandradio eine Teilhabe des Deutschlandfunks reklamiert, auch da war der Sender gescheitert – und hatte auf eine Übertragung verzichtet.

Phoenix hat sich seine Teilnahme am Duell 2013 als fünfter TV-Sender quasi mit einer Sonderleistung gesichert. Bastienne Blatz und Magdalena Meisen dolmetschen die Merkel-Steinbrück-Konfrontation in Gebärdensprache live und simultan. Schon 2009 hatten sie das TV-Duell zwischen Merkel und Steinmeier „übersetzt“. Rund 80 000 Menschen in Deutschland sind vollständig gehörlos. Doch darüber hinaus nutzten tausende Menschen mit Hörproblemen die Gebärdensprache, betonte Blatz. Regelmäßig dolmetschen sie und ihre Kollegen von der Kölner Agentur „Skarabee“ in Phoenix die abendlichen Nachrichtensendungen „Tagesschau“ (ARD) und „heute-journal“ (ZDF). Joachim Huber

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