Deutschlandradio : "Typisch Elitz"

Der Intendant des Deutschlandradios geht, sein Qualitätsanspruch aber bleibt.

Jürgen Doetz
Elitz
Nationaler Hörfunker. Ernst Elitz (Archivbild von 2006). -Foto: dpa

Selbstbewusst, fröhlich und lebhaft gestikulierend redete er auf den Bundespräsidenten ein, das enge zeitliche Korsett bei dessen Neujahrsempfang im Schloss Bellevue bei seiner letzten Teilnahme mit unaufdringlicher Selbstverständlichkeit durchbrechend. Und Horst Köhler hörte zu. Wie so viele andere vor ihm. „Typisch Elitz“, murmelte es aus der Reihe seiner anstehenden Kollegen. Und „typisch Elitz“ stimmte auch der Verfasser dieser Zeilen zu und spekulierte, der alte Fuchs habe dem Staatsoberhaupt vermutlich gerade berichtet, wie er wieder einmal der ARD eine winzige Hörfunkfrequenz für sein Deutschlandradio abgeluchst habe. Heute allerdings vermute ich, dass Ernst Elitz wohl vor allem den Anflug von Wehmut überspielte, denn es war – wie so oft in diesen Tagen und Wochen – das letzte Mal …

Ernst Elitz blickt auf eine eindrucksvolle Karriere zurück. Vom Rias über „Die Zeit“, den „Spiegel“, das ZDF und den Süddeutschen Rundfunk bis hin zum Intendanten des Deutschlandradios bewältigte der geborene Berliner all seine beruflichen Stationen mit größtem Einsatz, herausragender Fachkenntnis, mit Ideenreichtum und Zähigkeit. Schon sein Werdegang als solcher verdient große Hochachtung. Doch es sind nicht die Sprossen seiner beruflichen Karriereleiter allein, die ihn auszeichnen, die ihn so herausragen lassen aus der Zunft der Vergleichbaren.

Das wirklich Besondere sind vielmehr seine unerschöpfliche Neugier und die fortwährende Leidenschaft, mit der sich Elitz ein ganzes Berufsleben lang in jeweils unterschiedlichen Positionen konsequent für einen glaubwürdigen, qualitativ hochwertigen und unvoreingenommenen Journalismus engagiert hat. Er predigt Qualitätsstandards und lebt sie vor. Und wenn er gleichzeitig moralischen und ästhetischen Rigorismus bei der Qualitätsbewertung als Irrweg geißelt, hebt er sich wohltuend ab von den großen und den kleinen Reich-Ranickis. Nein, als Rufer aus der Nische verstand sich Ernst Elitz zu Recht zu keiner Zeit. Elitz’ fester Wunsch ist es, „dass die Art von Journalismus, wie wir ihn betreiben, auch für andere Medien vorbildlich ist“. Getreu diesem Motto bietet er Kritikern des Deutschlandradios, das als Inbegriff des öffentlich-rechtlichen Auftrags gelten darf, denn auch keine Angriffsfläche. Stets am Puls einer schnelllebigen, komplexer werdenden Medienwelt, nimmt man diesem Intendanten das Plädoyer für die „Leuchtturmfunktion“ des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ohne Zweifel ab.

Der Intendant Ernst Elitz gilt als glaubwürdiger und konstruktiver Kritiker des kommerziellen Rundfunks. Nicht wenige allerdings vermuten zu Recht, dass diese Kritik immer dann besonders heftig ausfällt, wenn auch die öffentlich-rechtlichen Anstalten gegen die Anlässe dieser Kritik nicht gefeit sind. Aber auch den direkten Weg scheut Elitz nicht, wenn er zum Beispiel in diesen Tagen schrieb, die Verantwortlichen der Privaten eine mit den Intendanten von ARD und ZDF am frühen Morgen gemeinsam nur eine Sucht: die Einschaltquoten …

Ich höre sie schon, die Pharisäer. Klar doch, Ernst Elitz als öffentlich-rechtlicher Musterintendant, so recht nach dem Geschmack des privaten Rundfunks. Wenn er etwa – wie vor einigen Jahren – öffentlich fordert, dass die Rundfunkgebühren nur erhöht werden dürften, wenn sich ARD und ZDF auf einen „Qualitätskodex“ einigen, die Beihilfebeschwerde des Verbands Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) durchaus auch als Chance für die Mobilisierung von mehr Qualität bei den Anstalten betrachtet oder gemeinsam mit den privaten Radiosendern die Hörfunkdigitalisierung vorantreibt, mag sich manch einer angesichts der Überschneidungen von Positionen zum privaten Rundfunk schon verwundert die Augen gerieben haben. Doch so überraschend ist das nicht. Denn Elitz ist keine Persönlichkeit, die sich auf bestimmte Rollen festlegen lässt. Und so wies er – ganz Realist – immer wieder darauf hin, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk nur dann bestehen kann, „wenn er sich selbst Qualitätsstandards setzt, die ihn klar von anderen Medienangeboten unterscheiden“. Ein besseres Plädoyer für eine gesicherte Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gibt es nicht!

„Hart in der Sache, aber durchaus moderat und konziliant im Ton, mag Elitz auch für ein Stück positiver Streitkultur im aufgeregten bundesdeutschen Medienzirkus stehen“, beschrieb vor Jahren die „Neue Zürcher Zeitung“ treffend den Stil, mit dem der Mann seine Ideen vorantreibt. Auch wenn der profilierte Intendant Elitz nun die aktive Bühne verlässt, wird er als Branchenkenner die öffentlichen Diskussionen um die Medienentwicklung sicher weiter begleiten, werden seine profunden Anregungen auch in Zukunft eine wahrnehmbare Stimme bleiben.

Der Autor ist Präsident des Verbands Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT).

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