"Deutschlands schönste Frau" auf RTL : Wenn Realität auf Unterhaltung trifft

Miss Germany Wahl reloaded – bei "Deutschlands schönste Frau" präsentiert RTL nicht die endlose Jungmädchen-Parade, sondern Frauen mitten aus dem Leben. Moderiert wird das Ganze oft erfrischend ehrlich und sarkastisch von Guido Maria Kretschmer.

von
Guido Maria Kretschmer moderiert "Deutschlands schönste Frau". Foto: dpa/Tobias Hase
Guido Maria Kretschmer moderiert "Deutschlands schönste Frau".Foto: dpa/Tobias Hase

Gerade noch Enttäuschung pur. Bigger-Than-Life-Blondine Sam rauscht grußlos am Bachelor vorbei, weil er es gewagt hat, ihr die Rose zu verweigern. Nach einer kurzen Werbepause beginnt ein neues Spiel. "Deutschlands schönste Frau". Die olle Miss Germany Wahl reloaded. Schönheitskonkurrenz 2.0. Nicht die endlosen Jungmädchen-Paraden, mit viel vorne und wenig oben. Sondern Frauen mitten aus dem Leben und der Gesellschaft. Da gibt es Alexandra, 37, von Beruf Meerjungfrau und nach eigener Aussage „ein bisschen bescheuert“. Ramona, 32, drei Kinder, das erste mit 15. Ihr zweiter Mann hat sie geschlagen. Dafür gab's den Laufpass. Rita, 65, ist Rentnerin und spielt gerne Golf. Barbara, 50, Mutter von sieben Kindern. Und Sam, 29. Wegen einer Krankheit hat sie keine Haare mehr.

Interessantes Fernsehen besteht zum großen Teil aus Effekthascherei. Deshalb erscheint sie nicht von Anfang an mit Glatze. Erst nach 17 Minuten zieht sie vor den anderen Damen die Perücke runter. Klatschen. Jubeln. Begeisterung. Umarmungen. Nur positive Gefühle. Nichts Negatives. Es sind auch Kameras dabei. Auch ohne Vorgaben der Redaktion weiß Frau, wie sie erwartungskonform agieren darf. „(D)eutschlands (S)chönste (F)rau“ - RTL probiert's aus, je bunter die Auswahl, desto größer das Zuschauerpotenzial. Zur besseren Beurteilung werden die Damen in eine Ü-30 und eine U-30 Gruppe aufgeteilt. Der Zeremonienmeister der Sendung - Guido Maria Kretschmer. "Shopping-Queen"- und "Super-Talent"-erprobt.

Körperlich ein Knuddelbär, kommentarlich eine Schlange. Als die wasserverdrängende Alexandra mit knappem Bikini in den Pool springt, säuselt Guido Maria: „Alexandra ist eine Frau, wenn die Wasser sieht, will die sofort rein. Manchmal sind ja auch Fische etwas größer ... Knappes Höschen in dem Fall...Rollmöpschen, unten mit so einem Schwänzchen dran.“ Vanessa hat viel Haare und Locken auf dem Kopf. Für Guido Maria ist sie „das Vogelnest. Da könnte ein Vogel wirklich eine kleine Population ausbrüten.“ Kretschmer oft charmant, aber viel öfter erfrischend ehrlich, sarkastisch und beurteilungskräftig. Gut so. Sonst würde die Sendung an ihrer Wohlfühl-Atmosphäre und ihrem Heile-Welt-Milieu ersticken.

Unterschied von Selbstbild und Fremdbild

Die erste Aufgabe. Die Damen beschreiben ihr Aussehen. Ein Zeichner skizziert sie, ohne sie zu sehen. Dann portraitiert er die Frauen unter der Anleitung von Kretschmer. Dadurch soll der Unterschied von Selbstbild und Fremdbild deutlich werden. Aber der Maler strengt sich bei Guido Maria einfach mehr an. Nächste Aufgabe. Die Mädels müssen ein Selfie machen. Dann werden sie von einer Profi-Fotografin inszeniert. Da zeigt sich, das Frauen selbst ihre schärfsten Kritiker sind. Speckröllchen, Hautfalten, Blankziehen vor dem Team. Alles Probleme, die gelöst werden müssen. Und mit viel Tränen auch gelöst werden.

Der Schluss wird giftig. Aus den zwei Gruppen muss jeweils eine Rauswurf-Kandidatin nominiert werden. Jetzt brechen alle Emotionsdämme. Schock. Heulkrämpfe. Kopfschütteln. Die Rentnerin Rita sieht's unweiblich und pragmatisch. Einfach die mögliche Konkurrenz rauswählen. Unverständnis der anderen. Das böse Leistungsprinzip in dieser rosaroten Zuckerwelt? Gleichzeitig kommen sie endlich, die lang erwarteten Bosheiten über alle Dicken, Hässlichen und Unfähigen im Frauen-Camp. Aber nur, weil die Mikros vergessen wurden. DSF - Wenn Realität auf Unterhaltung trifft. Bitte noch ganz viel davon in den kommenden Wochen. Der Start verlief für den Kölner Sender schon mal recht ordentlich: 1,67 Millionen junge Zuschauer sahen die Auftaktfolge. Der Marktanteil lag mit 17 Prozent über Senderschnitt

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben