Die 101 Gebote : Digitale Etikette

Wann telefoniere ich mit dem Handy? Welche Fotos stelle ich ins Netz? Ein neues Buch gibt Tipps.

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Ständig SMS schreiben. Irgendwann reicht es aber auch mal. Foto: dpa
Ständig SMS schreiben. Irgendwann reicht es aber auch mal. Foto: dpaFoto: picture alliance / dpa

Das oberste Gebot sollte natürlich lauten: Du sollst nicht ohne Not die Mailbox deines Nächsten zumüllen. Aber der neue Band „eEtikette“ ist viel subtiler. 101 Leitlinien gibt es zum Beispiel zum Thema „Wie lange darf ich im Café das kostenlose Wi-Fi nutzen, ohne etwas zu bestellen?“. Die Autoren geben die erste Stunde für einen Cappuccino und einen Muffin frei und würden sich in der zweiten bereits mit einem Schokoladenkeks begnügen. Da kommt natürlich alles auf Größe des Cafés und den Andrang an. Für eine halb leere Starbucks-Filiale klingt es fair genug. Und wenn man die weiteren Regeln in diesem neuen Büchlein liest, könnte man rasch zu dem Schluss kommen, dass eine Stunde Wi-Fi eigentlich auch reichen könnte, wenn man es gut mit sich und seinen Mitmenschen meint.

Sehr vernünftig klingt zum Beispiel für den Zeitraum nach Verlassen des Cafés Regel Nr. 56: „Du bist keine 24-Stunden-Tanke. Bestimme Deine eigenen digitalen Öffnungszeiten.“ Es kann ja doch sehr nerven, wenn man mit jemandem zusammensitzt, der ununterbrochen mit dem Handy spielt. Kommt aber immer öfter vor, weil sich vor allem in Smartphones ein ausgeprägter Suchtfaktor versteckt. Den wird Regel Nr. 57 nicht wirklich in Schach halten können, aber schon mal gut, dass es sie gibt: „Während Du in Gesellschaft bist, solltest Du nie länger mit Deinem Telefon spielen, als Du für einen Gang auf die Toilette benötigen würdest.“ Dazu passt Regel Nr. 68 „Menschen zuerst. Eine reale Person hat gegenüber einem technischen Gerät immer Vorrang und verdient Deine volle Aufmerksamkeit.“ Häufig wird es umgekehrt praktiziert, was daran liegen mag, dass es reale Personen immer schon gab, Smartphones und Minilaptops aber eine Erfindung der letzten Jahre sind.

Manche Regeln, wie die, nur Fotos ins Netz zu stellen, die auch die eigene Mutter freigeben würde, mögen auf Anhieb etwas spießig klingen, sollten aber von allen, die sich noch ein bisschen länger im Netz und in der analogen Welt tummeln möchten, unbedingt beachtet werden. Dazu gehört auch der Hinweis, das Tippen unbedingt einzustellen, sobald die Promillegrenze überschritten ist. Es gibt in dem Zusammenhang ganz schreckliche Geschichten über Beziehungsdramen. Wer angetrunken professionelle Mails schreibt, läuft sowieso Gefahr, Karriere-Harakiri zu begehen. Das Gerät, das den Computer automatisch runterfährt, wenn eine Fahne erkennbar ist, kommt bestimmt irgendwann als Massenprodukt. Aber würde man es auch beim Telefon einsetzen können?

Beim Zustandekommen von Beziehungen helfen die Regeln auch. Sich erst mal ein paar Tage analog verzaubern zu lassen, bevor man einen neuen Freund oder eine neue Freundin googelt, kann der Liebe auf die Sprünge helfen. Dass jemand auf die Idee kommen kann, eine Beziehung digital zu beenden, ist ein furchtbarer Gedanke. Aber entsprechende Geschichten kursierten auch schon über Prominente, denen man Stil und Sensibilität zugetraut hätte.

Die digitale Revolution hat einfach eine Welt hinterlassen, in der man sich neu orientieren muss. Dazu leistet das kleine Buch einen nützlichen Beitrag. Viele Experten aus unterschiedlichen Institutionen haben daran mitgewirkt. Und es soll sogar weitergestrickt werden. Jeder Leser kann eigene Leitlinien für den digitalen Umgang miteinander einreichen. Ach ja, was das Zumüllen betrifft, das steht in Regel Nr. 9: „Das Schicken von großen Dateianhängen ist wie Reisen mit Übergepäck. Es bremst und blockiert gern das System.“ Elisabeth Binder

Creation Center Telekom Laboratories (Hrsg.): eEtikette. 101 Leitlinien für die digitale Welt. Nicolai-Verlag. 112 Seiten,

7,95 Euro.

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