Medien : Die 70er Jahre Show

Ernst Huberty moderiert wieder ein Fußballspiel – aber diesmal für „ran“

Markus Ehrenberg

Wer über 35 Jahre alt ist und am Sonnabend zwischen 18 und 20 Uhr bei Sat 1-„ran“ die Fußball-Bundesliga schaut, dürfte wehmütig werden. Kommentator des Spiels Leverkusen gegen Kaiserslautern ist ein gewisser Ernst Huberty. Man muss sich nur ein bisschen mit Fußball im Fernsehen auskennen, während der Übertragung die Augen schließen und hinhören – schon tauchen sie auf: die Bilder aus einer Zeit, als Günter Netzer noch spielte, Helmut Schmidt Bundeskanzler und die ARD-„Sportschau“ für alle Fußballfans das Alleinseligmachende war.

Sätze wie „Der Kick ist quick“ waren bei Huberty nie zu hören, werden es vermutlich auch heute nicht sein. Mit solchen sprachlichen Kapriolen sprachen sich vor zwei Wochen Reporterkollegen aus Österreich und der Schweiz in die Herzen von Millionen Fußballfans. Die beiden Leiharbeiter mussten plötzlich bei „ran“ Bundesligaspiele kommentieren. Grund: Sat 1 standen nicht genügend eigene Kommentatoren zur Verfügung. Nach der Auflösung der Kirch-Gruppe hatte der Privatsender den Vertrag mit dem Sport-Dienstleistungs-Zentrum (SDZ), einem Tochterunternehmen des Spartensenders DSF, gekündigt. Prominente „ran“-Reporter wie Thomas Herrmann und Jörg Dahlmann sind beim SDZ angestellt, durften in der ungeklärten Vertragssituation nicht bei Sat 1 vors Mikrofon.

Deshalb muss an diesem Wochenende Huberty ran. Erst am nächsten Spieltag kann wohl wieder das komplette, gewohnte „ran“-Team eingesetzt werden. „Wir stehen kurz vor dem Abschluss einer Einigung mit dem SDZ“, sagt Sat 1-Sprecherin Kristina Faßler. Die Vereinbarung soll Anfang der Woche unterschrieben werden. Schon an diesem Sonnabend arbeiten Redakteure der DSF-Tochter bei „ran“ mit.

Für Ernst Huberty soll der Report aus Leverkusen ein einmaliges Gastspiel bleiben. Nach 4000 Fernsehauftritten muss er sich zwar nicht besonders auf die Bundesligapartie vorbereiten. „Ich bin im Stoff.“ Aber seit Tagen klingelt bei den Hubertys das Telefon. Eine Zeitung nach der andern. „Länger als einen Spieltag hätte ich den Trubel nicht mitgemacht“, sagt der Mitbegründer der „Sportschau“. Auch nicht, wenn die ARD noch mal anruft – Mitte 2003 werden die Bundesligarechte neu vergeben.

Der kreuzbrave Huberty-Sound dürfte manchem Werner-Hansch-Junkie ungewohnt in den Ohren klingen. Aber wie gesagt: Dicke Klopfer wie „quicke Kicks“ gibt es bei dem 75-Jährigen nicht. Seit 1992 bildet der Ex-Sportchef des WDR, der 1982 wegen einer Spesengeschichte aus dem Ersten ins Dritte Programm verbannt wurde, den Reporternachwuchs bei Premiere und Sat 1 aus. Das, was wir bei „ran“ zu hören bekommen, ist echte Ernst-Huberty-Schule.

Wer weiß, vielleicht stehen nach dem allseits beliebten Mann mit dem Betonscheitel („SZ“) weitere „Sensations-Comebacks“ von „TV-Legenden“ („Bild“) an. Harry Valérien, Jürgen Engert und „Ede“ Zimmermann zurück in den Job? Andere haben es vorgemacht. Friedrich Nowottny als Wahlhelfer bei RTL, Klaus Bresser als Talker bei n-tv, Frank Elstner als Spaßversteher bei der ARD – sie alle können sich auf einen Anruf von Hape Kerkeling freuen. Der sucht bald Gäste für die 70er Jahre Show.

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